24. November 2015

Jackson Pollocks „Mural“ kommt im neuen Glanz nach Deutschland

Die Deutsche Bank KunstHalle präsentiert Jackson Pollocks Meisterwerk in der Ausstellung „Energy Made Visible”

Mit Jackson Pollocks „Mural“ (1943) ist eines der historisch bedeutendsten Gemälde der Moderne nach seiner umfassenden Reinigung am Getty Conservation Center nun in Deutschland zu sehen. Die Ausstellung „Jackson Pollock’s ‚Mural‘: Energy Made Visible” zeigt das einflussreiche Meisterwerk gemeinsam mit mehr als vierzig Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Lee Krasner, Roberto Matta, Gjon Mili, Barbara Morgan, Robert Motherwell, Aaron Siskind und Andy Warhol.

Vom 25. November 2015 bis zum 10. April 2016 präsentiert die Deutsche Bank KunstHalle diese vom University of Iowa Museum of Art (UIMA) organisierte Schau. „Die Ausstellung eröffnet einen völlig neuen Blick auf Jackson Pollocks Erfolg, dessen Wurzeln und seinen erheblichen Einfluss auf die nachfolgende Kunst” sagt der Museumsdirektor des UIMA Sean O’Harrow. „Pollocks Schaffen während des zweiten Weltkriegs legte das Fundament für den Abstrakten Expressionismus.”

Kurator der Ausstellung ist David Anfam, Senior Consulting Curator am Clyfford Still Museum in Denver und der profilierteste Kenner des Abstrakten Expressionismus. „Nach der Restaurierung durch Getty“, so Anfam, „wurde ’Mural‘ in den Originalzustand mit seiner atemberaubenden Kraft und Intensität wiederhergestellt.“ Entscheidend war, dass die konservatorische Behandlung den Firnis entfernte. Dieser war 1973 aufgetragen worden, hatte sich verfärbt und beeinflusste dadurch die Erscheinung der Farben. Darüber hinaus ersetzten das Getty den Keilrahmen der Arbeit und untersuchte Pollocks komplexe Farbtechnik.

Das äußerst dynamische Werk ist mit 605 mal 247 cm das größte Gemälde, das Jackson Pollock je schuf. Es übt bis in die Gegenwart hinein einen immensen Einfluss auf die amerikanische Kunst aus. „Mural“ etablierte eine neue Bedeutung von epischer Größe, Geste, gewagter Farbigkeit und Mut für die beginnende Bewegung des Abstrakten Expressionismus und greift Pollocks ‚gegossene‘ Abstraktionen vor, die er vier Jahre später entwickeln sollte.

„Mural“ wird durch eine Auswahl von weiteren Arbeiten des Künstlers, die in den Kriegsjahren entstanden sind, in Kontext gesetzt. U.a. wird die schillernde Arbeit „Portrait of H.M.“ gezeigt. Darüber hinaus sind Arbeiten seiner Ehefrau Lee Krasner, sowie von David Smith und Robert Motherwell zu sehen. Motherwells „Elegy to the Spanish Republic No. 126“ (1965-75) wurde als Hommage an Pollocks gewaltiges Gemäldepanorama erachtet. Ein weiterer Fokus der Schau liegt auf Pollocks Beziehung zur Fotografie der 40er-Jahre: Künstlerinnen und Künstler wie Herbert Matter, Barbara Morgan, Aaron Siskind und Gjon Mili setzen sich wie Pollock selbst mit der Visualisierung von Energie und Bewegung auseinander. In Summe verkörpert „Mural“ all das, was Pollock später als seine Vision beschreibt - Energie und Bewegung sichtbar zu machen.

In den 1940er-Jahren war Peggy Guggenheim die wichtigste Sammlerin moderner Kunst in New York. Ihr war daran gelegen, in ihrem Privathaus in Manhattan ein Symbol für die neue amerikanische Kunst auszustellen, für die sie sich auch in ihrer „Art of This Century“ Galerie einsetzte. So beauftragte sie Jackson Pollock, ein Wandbild für die Eingangswand ihres Apartments zu schaffen. Dem Rat ihres Freundes und Beraters Marcel Duchamp folgend, wurde es auf eine Leinwand, nicht auf die Wand selbst gemalt – wie so viele vorherige amerikanische Wandarbeiten – und blieb damit transportabel.

Pollock schrieb über diesen Auftrag: „… ich habe freie Hand, was und wie ich male. Ich werde mit Öl auf Leinwand malen. Sie geben mir eine Ausstellung am 16. November und bis dahin will ich das Bild fertig haben. Die Trennwand zwischen dem Eingangs- und dem Mittelzimmer habe ich einreißen müssen, um das verdammte Ding aufzustellen. Jetzt habe ich es aufgespannt. Es ist ziemlich groß, aber höllisch aufregend.”

Als sich Guggenheim 1947 entschloss, zurück nach Europa zu gehen, wollte sie “Mural“ einer Institution geben, die ihre Auffassung von Kunst teilte. In Anbetracht des progressiven Atelier-Programms der University of Iowa School of Art and Art History schrieb sie 1948 an deren Leiter Professor Lester Longman und bot an, „Mural“ der Universität zu überlassen. Im Oktober 1951 gelangte das Gemälde nach Iowa.

Etwa die Hälfte der Kunstwerke in „Jackson Pollock‘s ‚Mural‘: Energy Made Visible“ stammt aus der Sammlung des UIMA. Neben Institutionen wie dem Museum of Modern Art, der Peggy Guggenheim Collection in Venedig und der Kunsthalle Bielefeld haben auch bedeutende Privatsammler Leihgaben für die Berliner Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Nachdem die Schau zuvor in der Peggy Guggenheim Collection zu sehen war, wird sie im Anschluss im spanischen Museo Picasso in Málaga gezeigt.

Die Ausstellung in der Deutsche Bank KunstHalle begleitet ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Musik, Film und Sonderführungen (Details entnehmen Sie bitte beigefügter Broschüre oder unter deutsche-bank-kunsthalle.de).
Zur Ausstellungstour ist die gleichnamige, englische Publikation David Anfams im Verlag Thames & Hudson erschienen.

Fotomaterial zur Ausstellung erhalten Sie kostenfrei für Pressezwecke bei Deutsche Bank KunstHalle.