24. April 2019

Boom in der Sportbekleidung-Industrie: Was steckt hinter diesem Optimismus?

Markenhersteller von Sportbekleidung sind in den vergangenen 12 Monaten deutlich gewachsen. Die Aktienkurse der Branche sind im Durchschnitt um 30 Prozent gestiegen, trotz der allgemeinen Nervosität an den Aktienmärkten. Branchenexpertin Jaina Mistry erklärt, was hinter diesem Optimismus steckt und ob er angesichts globaler Wachstumssorgen immer noch gerechtfertigt ist.

Wie groß ist der Markt für Sportbekleidung heute?

Der Markt für Sportbekleidung war 2017 323 Milliarden US-Dollar schwer, das sind rund 18 Prozent des weltweiten Bekleidungs- und Schuhmarktes. Der Kleidungsstil ist lässiger geworden und Sportschuhe sind häufig nicht einfach nur Schuhe, sondern Ausdruck persönlichen Modegeschmacks. So tragen viele zum „Athleisure“-Trend bei, das Wort vereint Athletik und Freizeit und steht für lässige Mode. Wenn Anleger den Markt kennen und wissen, welche Marken am besten für diesen Trend aufgestellt sind, können sie von der Entwicklung profitieren.

Wie wird sich das Wachstum der Branche entwickeln?

Der Markt hat ein schnelles Wachstum erlebt, und die Entwicklung geht weiter: Für 2019 prognostizieren wir ein Wachstum von 6,8 Prozent. Am meisten geben die US-Amerikaner für Sportbekleidung aus: im Durchschnitt mehr als 300 US-Dollar pro Jahr. In China sind es 25 US-Dollar und in Indien sogar nur 5 US-Dollar – also massive Wachstumschancen für die Branche. Kurz- bis mittelfristig wird China dafür entscheidend sein, während Indien eine längerfristige Chance darstellt.

Was wird das Wachstum noch befeuern?

Drei Faktoren: 1) Wachsender Wohlstand und dass mehr Menschen zur Mittelschicht gehören; 2) ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und dass mehr Sport gemacht wird; und 3) die Vereinigung von Mode und Sportkleidung.

Wie können die Markenhersteller diese günstigen Faktoren bestmöglich nutzen?

Der Wettbewerb in der Branche ist ohne Zweifel stark. Gutes Marketing ist für den Erfolg der Hersteller wichtig. Sie müssen die richtigen Sportler und Promis sponsern, in den sozialen Medien aktiv sein und einfach gute Geschichten erzählen. Einige Marken geben mehr für ihr Marketing aus als sie im operativen Ergebnis verdienen! Für Erfolg im Wettbewerb sind natürlich auch innovative Produkte entscheidend, dazu gehört Produktdesign und Funktionalität.

Welche Veränderungen gibt es in der Sportbekleidungsbranche?

Vor allem, dass die Hersteller direkt an die Verbraucher verkaufen und weniger über Dritte wie Footlocker oder JD Sports. Und Einzelhandel ist komplex. Man muss in die Mitarbeiter dafür investieren, in die Läden, Lagerhaltung und Logistik, und natürlich auch ins Digitale und die Online-Shops. Aber die Vorteile sind enorm: Man lernt die Bedürfnisse der Kunden besser kennen und verstehen, man hat mehr Kontrolle darüber, wie die Produkte präsentiert werden und zu welchem Preis man sie anbietet. Das fördert die Qualität und ist gut für die Margen.

Mehr zum Thema lesen Sie in „Global Sporting Goods: Portland trailblazer“ (nur auf Englisch verfügbar) von Jaina Mistry und ihrem Kollegen Paul Trussell, der den US-Markt für Kleidung und Nahrung beobachtet.