28. Oktober 2020

Eine Nachricht von Christian Sewing zu den Zahlen im 3. Quartal

 Die folgende Nachricht des Vorstandsvorsitzenden wurde an alle Mitarbeiter der Deutschen Bank verschickt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

obwohl auch das dritte Quartal von der Corona-Pandemie geprägt war, haben wir erneut ein Ergebnis erzielt, das unsere Planungen übertroffen hat. Wir haben trotz einer höheren Risikovorsorge für Kredite, extrem niedriger Zinsen und weiterhin erschwerter Arbeitsbedingungen einen Vorsteuergewinn von fast einer halben Milliarde Euro erreicht. Der Nachsteuergewinn betrug 309 Millionen Euro.

Damit waren wir in diesem Jahr, das von einem beispiellosen Einbruch der Wirtschaft geprägt ist, in den ersten drei Quartalen durchgehend profitabel. Nach neun Monaten beläuft sich unser Gewinn auf 846 Millionen Euro vor Steuern, so dass wir weiterhin zuversichtlich sind, auch für das Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen. Das schafft in einer so tiefgreifenden Transformation nur ein Team, das jederzeit bereit ist, sich maximal einzusetzen. Dafür möchte ich Ihnen im Namen des Vorstands und des Konzernleitungskomitees herzlich danken.

Zu unserem Ergebnis haben Fortschritte auf der Ertrags- und der Kostenseite fast gleichermaßen beigetragen: Wir haben im dritten Quartal unsere Erträge im Vorjahresvergleich um 13 Prozent gesteigert und gleichzeitig die Ausgaben um 10 Prozent gesenkt. So sind wir auf einem guten Weg zu unserem Renditeziel für 2022.

Wir beweisen damit erneut: Wir setzen unsere Pläne für die Transformation unserer Bank mit unverminderter Disziplin um. Und wir haben die operative Stärke, um dem Gegenwind zu trotzen, dem sich die Wirtschaft und die Finanzbranche ausgesetzt sehen.

Im dritten Quartal zeigte sich einmal mehr, dass es richtig war, im vergangenen Jahr unsere Investmentbank zu fokussieren. Weil wir uns nun auf Geschäftsfelder konzentrieren, in denen wir zu den Marktführern gehören, konnten wir unsere Kunden besser unterstützen und stärker von den positiven Branchentrends profitieren. Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen sind die Erträge in den vergangenen vier Quartalen jeweils mit zweistelligen Raten gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Im aktuellen Quartal überboten wir mit einem Plus von 47 Prozent den Gesamtmarkt. Im Beratungs- und Emissionsgeschäft erreichten wir sogar den höchsten Marktanteil seit sechs Quartalen. So haben wir unsere Kunden in den ersten neun Monaten des Jahres bei Anleihenemissionen im Wert von fast 1,5 Billionen Euro unterstützt – das waren bereits 21 Prozent mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Bei Emissionen grüner Anleihen sind wir weltweit auf Rang 3 aufgestiegen, nachdem wir im vierten Quartal 2019 noch auf Platz 14 lagen. In der vergangenen Woche waren wir als Konsortialführer mit dabei, als die Europäische Union die größte Sozialanleihe in der Geschichte der Kapitalmärkte emittierte. All das überzeugt uns davon, dass der Ertragszuwachs in der Investmentbank nicht nur zyklisch ist, sondern zu einem großen Teil nachhaltig.

Gleichzeitig leiden die Unternehmensbank und die Privatkundenbank unter den extremen Niedrigzinsen. Aber wir haben Wege gefunden, diese Ausfälle zum größeren Teil zu kompensieren. In der Privatkundenbank haben wir im dritten Quartal unser Kreditvolumen um fünf Milliarden Euro gesteigert, seit Jahresbeginn um neun Milliarden. Außerdem verzeichneten wir Zuflüsse in Anlageprodukte – drei Milliarden Euro im dritten Quartal und somit zwölf Milliarden Euro seit Jahresbeginn. Die im Juni gegründete Internationale Privatkundenbank ist nun voll arbeitsfähig, und in Deutschland profitieren wir von den Synergien aus dem Zusammenschluss unserer zuvor rechtlich eigenständigen Privatkundentochter mit der Deutsche Bank AG. Außerdem passen wir unser Filialnetz im Heimatmarkt schneller an die Präferenzen unserer Kunden an: Durch die Corona-Pandemie sind Videoberatung und digitale Angebote noch viel wichtiger geworden. Deshalb investieren wir hier.

In der Unternehmensbank haben Preisanpassungen bei Einlagen in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits zu 125 Millionen Euro an zusätzlichen Erträgen geführt. So hat sich unsere Transaktionsbank im dritten Quartal ähnlich gut oder sogar besser geschlagen als unsere Wettbewerber, und im Firmenkundengeschäft sind die Erträge leicht gestiegen. Weiteres Wachstum erhoffen wir uns unter anderem bei unseren mehr als 800.000 Geschäftskunden in Deutschland: Hier haben wir unser Angebot über unsere Marken Deutsche Bank, Postbank und Fyrst hinweg nun auf einer gemeinsamen technischen Plattform unter dem Namen „Deutsche BizBanking“ gebündelt.

Unser Vermögensverwalter DWS bleibt trotz der Turbulenzen der Corona-Pandemie auf Wachstumskurs: Im Asset Management konnten wir im dritten Quartal die Erträge um vier Prozent steigern. Die Nettozuflüsse lagen bei 11 Milliarden Euro, seit Jahresbeginn summieren sie sich auf 17 Milliarden Euro. Mehr als ein Drittel dieses Zuwachses entfällt dabei auf nachhaltige Anlageprodukte – was ein weiteres Mal zeigt, wie gut wir in diesem Wachstumsfeld unterwegs sind. Gleichzeitig hat die DWS ihre Ausgaben deutlich gesenkt: Ihr bereinigtes Aufwand-Ertrag-Verhältnis lag nach neun Monaten bei 64 Prozent und damit bereits auf dem Niveau des Ziels für 2021.

Auch in anderen Bereichen lassen wir bei der Kostendisziplin nicht nach, das gehört zur operativen Stärke unseres Konzerns. Zum elften Mal in Folge gingen die bereinigten Ausgaben ohne Transformationskosten und Bankenabgaben im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr zurück. Damit liegen wir voll auf Kurs, unser Jahresziel von 19,5 Milliarden Euro zu erreichen. Die jährlichen Kosten werden dann 3,3 Milliarden Euro unter dem Wert von 2018 liegen. Die Kosten unseres Umbaus werden nun ebenfalls zusehends geringer werden, denn in den vergangenen fünf Quartalen haben wir bereits 81 Prozent der bis 2022 erwarteten Belastungen hinter uns gelassen.

Zweifel an unserer Eigenkapitalausstattung sind inzwischen kein Thema mehr. Unsere harte Kernkapitalquote liegt unverändert bei 13,3 Prozent und damit deutlich über den regulatorischen Anforderungen. Dazu trägt unsere Einheit zur Freisetzung von Kapital (CRU) bei: Sie liegt mit ihrem Bilanzabbau weiter im Plan. Unsere Liquiditätsreserven sind bis auf 253 Milliarden Euro gestiegen. Wie wir bereits im April prognostiziert hatten, ist auch die Risikovorsorge im dritten Quartal wieder zurückgegangen, und zwar auf 273 Millionen Euro. Das unterstreicht die Qualität unseres Risikomanagements. Wir sind weiterhin gut aufgestellt, um unsere Kunden zu unterstützen und neue Geschäftschancen zu nutzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vor fünf Quartalen haben wir unsere neue Strategie präsentiert. Seither haben wir Quartal für Quartal unsere Pläne erfüllt oder sogar übertroffen. Wir haben alle maßgeblichen Zwischenziele erreicht. Natürlich werden uns die steigenden Corona-Infektionszahlen und die Bedingungen in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten weiterhin vor Herausforderungen stellen. Aber mit Ihrer Hingabe und Unterstützung werden wir auch weiter Kurs halten. Ein großes Dankeschön für Ihren vorbildlichen Einsatz.

Herzliche Grüße

Ihr Christian Sewing