Ghana: wenn Wasser Wachstum bedeutet

Die marode Wasserversorgung in Ghanas Volta-Delta bremst die Wirtschaft der Region aus. Wie eine neue Wasseraufbereitungsanlage Wachstum für tausende Familien und Unternehmen bringen soll. Und warum die Deutsche Bank dieses Multi-Millionen-Dollar-Projekt mitfinanziert.

Philip Kojo Dawu mit seinem Sohn im Feld

Zwischen Januar und April ist es besonders hart. Die kleine Farm von Philip Kojo Dawu am Rand der Stadt Keta im Süden Ghanas leidet unter der Trockenheit. Sie liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen Ozean und Lagune, und schlimmer als Regenmangel trifft sie der steigende Salzgehalt im Grundwasser. Dawu baut Paprikapflanzen an und bewässert sein Feld mit dem Wasser, das er aus einem sogenannten „Borehole“ gewinnt – einem von ihm selbst gebohrten Brunnen. „Hier auf unserem Hof ist das Wasser zu salzig, das können wir für die Pflanzen gar nicht nutzen. Wir müssen das Wasser außerhalb der Farm holen. Das Salz verdirbt die Erde, und was man darin anbaut, wächst nicht richtig. Manchmal verlieren wir so Teile der Ernte und damit unser eingesetztes Geld – und dann müssen wir neue Saat kaufen und von vorne anfangen.”
 

Sauberes Wasser? Nur aus Beuteln

Vielen Menschen in der Region geht es wie Philip Dawu: Ob sie Landwirte sind, Ladenbesitzer oder Fischer, Angestellte, etablierte Unternehmer oder Start-ups – die ökonomische Situation im Volta-Delta, einer eigentlich fruchtbaren Region 160 Kilometer östlich der ghanaischen Hauptstadt Accra gelegen, hängt in erster Linie von einem Faktor ab: einer zuverlässigen Wasserversorgung. Was in einer geografisch vom Delta eines Flusses dominierten Region selbstverständlich erscheint, ist derzeit nur ein schöner Traum. Nur wenige Familien haben überhaupt den Luxus eines Wasseranschlusses in ihrem Haus. Doch wenn sie den Hahn aufdrehen, tröpfelt es meist nur, denn die Wasserinfrastruktur im Volta-Delta ist alt und marode. 

Milicent Nyaho, Ladenbesitzerin

Viele Menschen sind deshalb auf öffentliche Wasserstellen angewiesen. Doch auch hier kommt oft genug kein Wasser aus dem Hahn, so dass die Menschen auf Brunnenwasser zurückgreifen müssen. Weil das kaum trinkbar ist, bietet Millicent Nyaho in ihrem Geschäft nicht nur Brot, Bonbons oder Zigaretten an. Einer ihrer gängigsten Artikel: Wasser in Beuteln. „Wir nennen das ‘reines Wasser’”, sagt Nyaho. „Viele Leute aus allen Schichten kaufen das. Wir nehmen es zum Trinken und Kochen, weil das Wasser aus den Brunnen nicht sauber ist.”
 

Eine Woche Warten aufs Wasser

In zahlreichen Gemeinden der Region gibt es gar keinen Wasseranschluss. Manche Orte werden mit fahrenden Wassertanks der staatlichen ‚Ghana Water Company‘ versorgt, doch der LKW kommt oft nur einmal pro Woche. Viele Menschen nehmen lange Wege in Kauf, um das Wasser direkt von der Wassergesellschaft zu kaufen, ihre Kanister damit zu befüllen und nach Hause zu transportieren. Aber das ist alles andere als gesund, weiß Somuah Tenkorang, Ingenieur vom Headquarter der ‚Ghana Water Company‘ in Accra: „Auch das Wasser aus den Tanks kann von schlechter Qualität sein, denn wenn man es nicht gut von den Lastwagen in die Häuser bringt, kann es verunreinigt werden und eine Menge gesundheitliche Probleme verursachen.“ Die massiven Probleme mit der Wasserversorgung im Südosten Ghanas erschweren die dortige Entwicklung.
 

Kein Wasser, kein Wachstum

Eine ganze Region – in wirtschaftlicher Hinsicht ausgebremst. Dabei ist Ghana auf einem vielversprechenden Weg: Das Land hat im Vergleich zu seinen Nachbarn einen höheren Grad an Wohlstand erreicht und verzeichnet laut Weltbank ein jährliches Wachstum des Bruttosozialprodukts von über 6 Prozent. Agnes Gudolo betreibt einen Friseursalon in Keta Die Bevölkerung wächst im Jahr nur um 2,2 Prozent, damit verzeichnet Ghana das geringste Bevölkerungswachstum aller Staaten im südlichen Westafrika. Die Landwirtschaft trägt ungefähr ein Fünftel zum Bruttosozialprodukt bei und ist damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Nicht nur hat das Land in den vergangenen Jahren auch dank seiner unabhängigen Justiz große Fortschritte in Richtung Demokratie im Mehrparteiensystem gemacht, es rangiert auch in Bezug auf Meinungs- und Pressefreiheit durchweg unter den drei bestbewerteten Ländern Afrikas. In der südlichen Volta-Region aber liegt ein Großteil des wirtschaftlichen Potenzials brach.
 

 

Wassermangel blockiert Investitionen

Wie sehr die mangelhafte Infrastruktur die Entwicklung der Region lähmt, hat Godwin Edudzi Effah beim Blick aus dem Fenster seines Büros täglich vor Augen: „Durch die neue Krankenpflegeschule und das große Hafenprojekt wächst die Bevölkerung. Aber viele Menschen in dieser Gegend haben kein Wasser zu Hause“, sagt Effah, der in Keta eine Art Bürgermeisterfunktion hat. „Ihre Lebensqualität würde sich durch Zugang zu sauberem Wasser stark verbessern. Außerdem würden sich neue Geschäfte und Unternehmen ansiedeln.“
 

Nathaniel Amisah Ebo, Leiter des Werkslabors in Agordome

Tatsächlich hat die schlechte Wasserversorgung die Ansiedlung neuer Unternehmen immer wieder verhindert. Aktuell liegt deswegen ein Projekt asiatischer Investoren auf Eis. Aber auch die örtliche Bauindustrie und die Fischer fordern mit Nachdruck Zugang zu besserer Wasserinfrastruktur. „Eine bessere Wasserversorgung würde den Lebensstandard in der gesamten Region erhöhen”, fügt Effah hinzu. „Und es würde die jungen Leute davon abhalten, nach Accra zu ziehen.”

 

Wasser für 400.000 Menschen

Um den Nachwuchs in der Region zu halten, das örtliche Wirtschaftswachstum anzukurbeln, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, investiert die ghanaische Regierung im Rahmen einer landesweiten Infrastruktur-Offensive massiv in die Wasserversorgung der Region. In Agordome am Volta-Ufer saniert sie eine Wasser­aufbereitungs­anlage und baut eine zusätzliche mit weit größerer Kapazität. Die Anlagen werden – ergänzt um eine neue Pipeline und zusätzliche Reservoirs – mehr als 42.000 Kubikmeter sauberes Wasser pro Tag erzeugen und gut 400.000 Einwohner*innen auf der Keta-Halbinsel versorgen.  
 
Deutsche Bank finanziert Teil des Millionen-Projekts
Die italienische Exportkreditagentur SACE garantiert die Finanzierung von 85 Millionen Euro und ermöglicht damit den Bau dieses Infrastrukturprojektes. Die deutsche AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft Bank beteiligte sich zur Hälfte an der Finanzierung und die Deutsche Bank führt den Konsortialkredit maßgeblich aus.

 „Der Hauptnutzen sind eine verbesserte Lebensgrundlage und ein besserer Lebensstil", sagt Ingenieur Immanuel von der ‚Ghana Water Company‘, der die Situation vor Ort von seinen Inspektionsreisen sehr genau kennt. „Die Menschen müssen sich das Wasser nicht mehr mit dem Vieh, den Kühen und Ziegen teilen. Sie werden mehr Einkommen haben, weil sie weniger Geld für die Gesundheitsversorgung ausgeben müssen, Schulkinder müssen nicht im Morgengrauen aufstehen, um Wasser für ihre Familien zu holen, bevor sie zur Schule gehen. Unternehmer werden mehr Vertrauen haben, in dieser Region zu investieren. So werden die Menschen bald mehr verdienen und der Lebensstandard wird steigen."

Der Hauptnutzen sind eine verbesserte Lebensgrundlage und ein besserer Lebensstil. Unternehmer werden mehr Vertrauen haben, in dieser Region zu investieren. Die Menschen werden bald mehr verdienen und der Lebensstandard wird steigen. – Ingenieur Immanuel

Einen Anstoß für Wachstum zu geben in einer Region, die voller Potenzial steckt: Das ist auch Motivation für die Deutsche Bank, Teil dieses Projekts zu sein. „Die Deutsche Bank ist seit langem in Afrika präsent und wir sind stolz darauf, für Ghana ein wichtiger Partner in der Exportfinanzierung zu sein“, sagt Werner Schmidt, bei der Deutschen Bank global verantwortlich für strukturierte Handelsexportfinanzierung. „Dabei konzentrieren wir uns auf die Realisierung von Infrastrukturprojekten, die sich positiv auf die Gemeinden auswirken und zu einem langfristigen Wirtschaftswachstum beitragen.“

Godwin Sotama, Leiter des mittelständischen Getränkehersteller Selasie Beverages

Die Bank nutzt ihr Know-how bei der Strukturierung und Organisation von Finanzierungen, um Ländern wie Ghana den Zugang zu den globalen Kapitalmärkten zu erleichtern. Seit 2011 hat die Deutsche Bank mehr als 20 Milliarden Euro für Infrastruktur in Ghana bereitgestellt.

Vom Hafen bis zur Getränke-Produktion: Hoffen auf die neue Wasser-Pipeline
Ohne konstante Wasserversorgung wäre auch die geplante neue Hafenanlage mit Fischfabrik und Ladeterminals undenkbar. In Keta entsteht damit ein Logistikzentrum von strategischer Bedeutung, das die Wirtschaft in der Region ankurbelt – weit über Ghana hinaus. Denn der dritte Seehafen des Landes wird auch die benachbarten Binnenländer Burkina Faso, Niger und Mali mit dem Meer verbinden.

Aber auch das Kleingewerbe wird von guter Wasserversorgung profitieren. „Ich werde gerne Wasser aus der Leitung verwenden, denn das Wasser aus dem Brunnen ist hart und verträgt sich oft nicht gut mit den Produkten", sagt Agnes Gudolo, die einen Friseursalon in Keta betreibt. Sie setzt auf zufriedene Kunden und steigende Nachfrage nach ihrer Dienstleistung, wenn eine modernisierte Infrastruktur zuverlässig sauberes und weiches Wasser liefert.

Auch Godwin Sotama hofft darauf. Er leitet den mittelständischen Getränkehersteller Selasie Beverages, der Mangosaft und Trinkwasser abfüllt. „Hier in Lolito ist das Wasser stark verschmutzt, wenn es aus den Leitungen kommt. Also müssen wir es noch einmal filtern. Und dann muss es auch noch durch eine Umkehrosmose gehen, bevor wir es verwenden können", sagt er. Weil manchmal tagelang nicht ein Tropfen aus der Leitung komme, müsse er immer wieder mal einen Truck organisieren, um das Wasser aus Agordome zu holen. Seine Prognose: „Wir würden sehr davon profitieren, wenn das neue Projekt zuverlässig Wasser liefern würde. Wenn wir eine konstante Produktion hätten, könnte unser Unternehmen expandieren."

Aus vollen Rohren für gesunde Paprika

Und natürlich hofft auch Farmer Philip Kojo Dawu auf die neue Infrastruktur und mehr Unabhängigkeit von den Launen des Wetters und klimatischen Veränderungen: „Wenn wir das Wasser aus der neuen Leitung bekommen, werde ich sehr glücklich sein, denn dann können unsere Pflanzen das ganze Jahr über Ertrag bringen."

Fotos: Espen Eichhöfer, OSTKREUZ Agentur der Fotografen

Wasserversorgung in der südlichen Volta-Region

  • In der südlichen Volta-Region besteht die Wasserversorgung weitgehend im Abpumpen aus lokalen Bohrlöchern und ist nicht in der Lage, den steigenden Bedarf einer wachsenden Bevölkerung zu decken.
  • Die staatliche ‚Ghana Water Company Limited‘ hat das ‚Keta Water Supply Rehabilitation and Expansion Project‘ in Auftrag gegeben, um die Wasser- und Sanitärversorgung in der Region zu verbessern.
  • Das Projekt mit einem Auftragswert von 85 Millionen Euro umfasst die Sanierung der bestehenden Wasseraufbereitungsanlage in Agordome und den Neubau einer weiteren Aufbereitungsanlage in der Stadt.
  • Nach der Fertigstellung wird die Wasserinfrastruktur in der Lage sein, den aktuellen und zukünftigen Wasserbedarf von über 400.000 Einwohnern in den Gemeinden Keta, Anloga und Tongu bis 2030 zu decken.

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