IBOR-Ablösung

Seit den 1980er-Jahren zählen Referenzzinssätze, auch bekannt als Interbanken-Angebotssätze (Interbank Offered Rates – IBORs), zum Standardrepertoire an den internationalen Finanzmärkten.

Sie sind Bezugsgrundlage bei der Bepreisung zahlreicher Finanzprodukte wie Kredite, Hypotheken, Anleihen, Derivate, ETFs und strukturierte Anlageprodukte, um nur einige zu nennen.

Mit zunehmender Austrocknung des Marktes für Interbankenkredite ist auch die Unterlegung der fünf wichtigsten IBOR-Sätze mit Markttransaktionen kaum mehr gewährleistet. Das Risiko einer Einstellung der IBOR-Sätze steht im Raum. Alternativ wird an der Entwicklung robusterer risikofreier Zinssätze (Risk Free Rates – RFRs) gearbeitet. Ausgangspunkt dieser Initiative war eine Empfehlung des globalen Branchengremiums Financial Stability Board im Jahr 2014.

In Großbritannien soll die London Interbank Offered Rate (LIBOR) Ende 2021 ebenfalls eingestellt und durch einen alternativen Referenzzinssatz ersetzt werden. Als risikofreier Referenzzins für Sterling-Produkte wurde der Sterling Overnight Index Average (SONIA) festgelegt. Auch die Tage der LIBOR-Sätze für USD, EUR, JPY und CHF sind gezählt. An ihre Stelle sollen unterschiedliche alternative risikofreie Zinssätze für die jeweiligen Währungsräume treten.

In der Europäischen Union wird beispielsweise bereits an der Ablösung des EONIA (Euro Overnight Index Average) durch einen neuen risikofreien Referenzzinssatz (Euro Short-Term Rate – €STR) gearbeitet, der inzwischen schon verfügbar ist.

Auch in vielen anderen Ländern wie den USA, Japan, der Schweiz, Hongkong, Kanada, Singapur, China, Indonesien, Thailand, Indien, den Philippinen und Australien wurden entsprechende Reformen angestoßen.

Damit müssen die Verträge zahlreiche Produkte angepasst und auf die neuen RFR als Benchmark umgestellt werden. Die Aufsichtsbehörden betonen immer wieder, dass dieser Umstellungsprozess komplex und zeitintensiv ist, und legen Finanzmarktteilnehmern daher nahe, sich rechtzeitig vorzubereiten.

Der Zeitplan für diese Reformen ist nicht in allen Ländern gleich. So soll die Ablösung von EONIA und LIBOR-Sätzen bis Ende 2021 erfolgen, weshalb die britische Financial Conduct Authority (FCA) und internationale RFR-Arbeitsgruppen regelmäßig mahnen, dass alle an den LIBOR und den EONIA gekoppelten Produkte bis spätestens zu diesem Zeitpunkt auf alternative risikofreie Zinssätze umgestellt sein müssen.

Im Einzelnen sieht der von den RFR-Arbeitsgruppen erarbeitete Zeitplan für die Umstellung einige Zwischenetappen vor.  Beispielsweise ließ die Bank of England verlauten, man werde voraussichtlich nach dem dritten Quartal 2020 LIBOR-bezogene Kredite nur noch auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden anbieten und stattdessen standardmäßig einen alternativen Referenzzinssatz verwenden. Bei Koppelung an den LIBOR muss dann jedoch vertraglich festgelegt werden, welche Regelungen für die Umstellung auf einen alternativen Referenzzinssatz bis Ende 2021 gelten.

Die Deutsche Bank ist aktiv in die Bemühungen der Branche eingebunden, die Umstellung auf alternative Referenzzinssätze möglichst reibungslos zu gestalten. Es wurden umfangreiche Maßnahmen zur Vorbereitung auf die IBOR-Ablösung ergriffen, und die Bank arbeitet eng mit ihren Kunden zusammen, um diese für die bevorstehenden Veränderungen zu sensibilisieren und sicherzustellen, dass die Umstellung diese nicht unvorbereitet trifft. 

Wir raten unseren Kunden, sich bei Fragen zu den individuellen Auswirkungen der IBOR-Umstellung vertrauensvoll an ihren Kundenbetreuer oder Vertriebskontakt zu wenden. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich per E-Mail an ibortransition@db.com mit unserem speziell dafür eingerichteten Team in Verbindung zu setzen.

Weitere Informationen zu den Implikationen der IBOR-Ablösung für Privatkunden, institutionelle Kunden und Unternehmenskunden finden sich in den der jeweiligen Kundengruppe vorbehaltenen Bereichen dieser Webseite.

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