News 10. Dezember 2019

"Wir haben es selbst in der Hand" - Nachricht von Christian Sewing an die Mitarbeiter zur Investorenveranstaltung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist soweit: Heute treffen wir uns zu einem intensiven Austausch mit den Analysten – zum „Investor Deep Dive“, wie wir es nennen. Es geht darum, unseren Investoren und der breiten Öffentlichkeit genauer zu erläutern, was in uns steckt und wie viel Potenzial wir haben. Viele Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Monaten daran mitgearbeitet, die Details zusammenzutragen und zu strukturieren. Eine Vorbereitung, die im August anfing und uns allen viel abverlangt hat. Dafür möchte ich allen Beteiligten herzlich danken.

Auf diesen 10. Dezember habe ich mich tatsächlich sehr gefreut. Denn fünf Monate nach Verkündung unserer Strategie können wir eine umfassende Zwischenbilanz ziehen. Und wir können sagen: Wir sind sehr gut in diese umfassendste Transformation unserer Bank seit zwei Jahrzehnten gestartet. Wir liegen mit der Umsetzung unserer Strategie nicht nur im Plan, sondern sind in mehreren Bereichen sogar schneller vorangekommen als erwartet. Hier einige Fakten:

  • Der Ausstieg aus dem Aktienhandel in der Investmentbank ist weit vorangeschritten. So haben wir inzwischen auch die nötigen Genehmigungen, um unser Geschäft mit Hedgefonds und den elektronischen Aktienhandel an BNP Paribas zu übertragen. Und auch beim Verkauf von Altbeständen aus anderen Teilen unseres Geschäfts kommen wir zügiger voran als ursprünglich gedacht: Unsere Einheit zur Freisetzung von Kapital (Capital Release Unit) arbeitet bereits an Transaktionen, die erst für 2020 geplant waren.
  • Dieser Bilanzabbau hilft uns wiederum bei unserer Eigenkapitalquote. Unsere harte Kernkapitalquote wird zum Jahresende voraussichtlich bei mehr als 13 Prozent liegen. Wir bleiben also fest dabei: Wir werden für unsere Transformation ohne weiteres Kapital von unseren Aktionären auskommen.
  • Im dritten Quartal haben wir unsere bereinigten Kosten ohne Berücksichtigung von Umbaukosten und Bankenabgaben zum siebten Mal in Folge im Jahresvergleich gesenkt. Und dieser Trend setzt sich weiter fort.
  • Außerdem wird uns unsere IT-Strategie, die Bernd Leukert und Frank Kuhnke kürzlich verkündet haben, dabei helfen, effizienter zu werden und unsere Kostenziele zu erreichen.
  • Ohne Sondereffekte bei den Erträgen und die Belastungen des Umbaus waren Erträge und Vorsteuergewinn unserer Kernbank in den ersten neun Monaten 2019 im Jahresvergleich in etwa stabil – und das trotz der Unruhe durch die Strategiediskussion und trotz eines schwierigen Umfelds.
  • Besonders stolz bin ich auf unsere Investmentbank: Wir haben uns sehr schnell neu aufgestellt, und inzwischen läuft das Geschäft viel besser als erwartet. Wir sind zufrieden mit der Entwicklung der Erträge im bisherigen Verlauf des vierten Quartals, insbesondere im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen – hier sind die Erträge höher als im Vorjahreszeitraum. Auch unsere Ertragsaussichten für die kommenden Jahre haben wir nun etwas nach oben korrigiert.

Dieser gute Start in unsere Transformation war sehr wichtig. Wir können untermauern, dass wir unsere Pläne nicht nur einhalten, sondern auch übererfüllen können. Deshalb noch einmal Danke: für Ihren großen Einsatz und Ihre erfolgreiche Arbeit.

All das haben wir erreicht, obwohl wir im zweiten Halbjahr zusätzlichen Gegenwind gespürt haben. Die Konjunktur hat sich eingetrübt, auch wenn es zuletzt wieder positivere Signale gab, und in der Eurozone sind die Zinsen jetzt noch niedriger als im Sommer erwartet. Das geht nicht spurlos an uns vorbei.

Wir bekräftigen dennoch unser Ziel, bis 2022 eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent zu erwirtschaften – auch wenn das angesichts dieses Umfelds nun ein ehrgeizigeres Ziel ist. Wir haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Ertragsausfälle durch die Niedrigzinsen zu kompensieren. Dazu trägt zum Beispiel bei, dass wir bei weiterhin vorsichtigem Risikomanagement mehr Kredite vergeben und unsere Liquiditätsreserven besser steuern.

Zuversichtlich stimmt mich auch, wie sich die Gespräche mit unseren Kunden seit Juli verändert haben: Viele, die angesichts der strategischen Unsicherheit zuvor zögerlich waren, fühlen sich nun bestärkt, wieder langfristig mit uns zusammenzuarbeiten. Nur ein Beispiel: Mehr als drei Dutzend Konzerne und große institutionelle Kunden haben sich in den vergangenen Monaten dazu entschieden, zu uns zurückzukommen. Diese Kunden erkennen an, dass wir relevant für sie sind. Und das sind wir, in allen vier Geschäftsbereichen:

  • Unsere neu geschaffene Unternehmensbank hat schnell an Profil gewonnen. Hier zeigt sich, wie wichtig unsere globale Aufstellung ist. Schon heute machen wir mit unseren US-Kunden mehr Geschäft in Asien als in unserem Heimatmarkt. Wobei Deutschland auch ein Vorbild ist: Hier nutzt jeder Unternehmenskunde im Durchschnitt sieben Produkte von uns, international sind es nur vier. Mit einer neuen globalen Struktur zur Kundenbetreuung wollen wir regionale Stärken nun in der ganzen Unternehmensbank nutzen.
  • In unserer nun fokussierteren Investmentbank kommen rund 75 Prozent unserer Erträge aus Geschäftsfeldern, in denen wir zu den fünf führenden Anbietern gehören. Auch hier gilt: Wir haben eine Position, auf die wir nun aufbauen können. Im Geschäft mit Staatsanleihen (Rates) und mit Schwellenländer-Anleihen ernten wir bereits erste Früchte unseres Umbaus. Natürlich müssen wir auch in der Investmentbank die Kosten weiter verringern. Aber wir sind zuversichtlich, dass die Erträge hierunter nicht leiden werden. Denn wir haben bei den Kundenbetreuern unsere Aufstellung weitgehend gefunden - jetzt geht es vor allem darum, die Prozesse effizienter zu gestalten. Und da haben wir noch viel Potenzial.
  • Für unsere Privatkundenbank, allen voran in Deutschland, sind die niedrigen Zinsen eine besondere Herausforderung. Wir sind jedoch zuversichtlich, diesen Gegenwind zumindest teilweise ausgleichen zu können, indem wir intensiver mit unseren Kunden zusammenarbeiten. Sie erwarten von uns Beratung, wie sie der Zinsfalle entkommen und in rentierlichere Anlagen umschichten können. Wobei wir hier in diesem Jahr schon viel geleistet haben. Unsere deutsche Vertriebsmannschaft hat ein exzellentes Ergebnis erzielt – mit Zuwächsen beim Kreditvolumen und beim verwalteten Vermögen.

Gleichzeitig können wir hier noch viel effizienter werden. Die Möglichkeit dazu ergibt sich aus dem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Postbank. Ob in der Zentrale, den Filialen oder bei den IT-Systemen – wir können mit Blick auf die Kosten überall noch besser werden.
Große Chancen sehen wir auch im Geschäft mit vermögenden Kunden, dem Wealth Management. Hier haben wir seit Jahresbeginn die Zahl unserer Berater um 13 Prozent gesteigert. Das macht sich bereits bemerkbar – in Form von zusätzlichen Mittelzuflüssen.

  • Bei der DWS zeigt sich, welchen Unterschied fokussiertes und diszipliniertes Management machen kann. Wir haben die Anlageergebnisse für unsere Kunden verbessert – die Zahl der DWS-Fonds mit einem Morningstar-Rating von vier oder fünf Sternen ist seit Anfang 2018 um ein Viertel gestiegen. Das sehen auch unsere Kunden und vertrauen uns zusätzliche Mittel an. Seit drei Quartalen verzeichnet die DWS daher wieder Nettomittelzuflüsse.

So stark die einzelnen Geschäftsbereiche auch sind – wenn es darum geht zusammenzuarbeiten, haben wir noch einiges an Potenzial. Unsere beachtliche Produktpalette und unser globales Netzwerk sind ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber vielen anderen Banken. In den vergangenen Monaten haben wir die Kooperation forciert, um diese Chance besser zu nutzen. So erreichte FX4Cash, das gemeinsame Angebot von Unternehmensbank und Investmentbank zur Währungsabsicherung, im dritten Quartal Rekordumsätze. Und unser Wealth Management arbeitet enger mit der Unternehmensbank und der Investmentbank zusammen, um etwa Mittelständler umfassender zu unterstützen.

Gleichzeitig lassen wir konzernweit bei unserer Kostendisziplin kein bisschen nach. Wir sind auf einem guten Weg, die bereinigten Kosten für das Gesamtjahr 2019 wie geplant auf 21,5 Milliarden Euro zu begrenzen. Im kommenden Jahr sollen die Kosten bis auf 19,5 Milliarden Euro sinken – und fast die Hälfte der dafür nötigen Einsparungen haben wir praktisch schon erreicht, weil viele bereits umgesetzte Maßnahmen erst im kommenden Jahr voll wirksam werden. Wir müssen aber auch darüber hinaus unverändert diszipliniert bleiben, um die Kosten bis 2022 wie geplant auf 17 Milliarden Euro zu senken. Dank unserer detaillierten Pläne und angesichts dessen, was wir bisher schon geschafft haben, sind wir auch dafür zuversichtlich. Wir haben es wirklich selbst in der Hand.

Umso mehr ermutigt es uns im Vorstand und im Konzernleitungskomitee, wie sehr Sie uns in unserem Kurs bestärken. Mehr als 70 Prozent von Ihnen unterstützen die neue Strategie, und die neueste Messung unseres internen Markenwerts zeigt ein Niveau, wie wir es seit Ende 2017 nicht mehr gesehen haben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle haben uns in den vergangenen 20 Monaten eine Glaubwürdigkeit erarbeitet, auf der wir nun aufbauen können. Wir haben gezeigt, dass wir unsere Ziele erreichen können. Was wir in den ersten fünf Monaten seit Bekanntgabe unserer neuen Strategie geschafft haben, sollte uns allen Mut machen.

Vor allem aber möchte ich Ihnen im Namen des Vorstands ganz besonders danken, dass Sie diesen Weg mittragen. Gemeinsam kriegen wir das hin, wenn wir genau so weitermachen, wie wir in diese tiefgreifende Transformation gestartet sind – Quartal für Quartal, Monat für Monat, Tag für Tag.

Herzliche Grüße

Ihr
Christian Sewing

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