2. Februar 2017

Eine Nachricht von John Cryan zu den Ergebnissen der Deutschen Bank im Jahr 2016

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat sich am 2.Februar 2017 mit folgender Nachricht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mehrfach habe ich im vergangenen Jahr an dieser Stelle geschrieben, wie schwierig das Umfeld für uns war. Niedrige Zinsen, eine ungünstige Marktlage – und dann auch noch die 14-Milliarden-Dollar-Forderung des US-Justizministeriums, die für viel Unruhe gesorgt hat. All das hat Spuren in unserer Gewinn- und Verlustrechnung hinterlassen, ebenso wie die Vergleichszahlung an sich.

Im vierten Quartal haben wir deshalb einen Vorsteuerverlust von 2,4 Milliarden Euro ausweisen müssen. Dieser geht darauf zurück, dass wir Altlasten abarbeiten und die Bank konsequent umbauen: Rechtskosten, Wertberichtigungen, Restrukturierungskosten, Abfindungen sowie Kosten des Risikoabbaus in der NCOU summierten sich auf insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Dem gegenüber stand ein einmaliger Gewinn von 0,8 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligung an der Hua Xia Bank. Für das Gesamtjahr lag der Verlust bei 0,8 Milliarden Euro – wobei sich die genannten negativen Einmaleffekte auf 5,8 Milliarden Euro summierten, die positiven auf etwa eine Milliarde Euro. Sie sehen also: Operativ ist es deutlich besser gelaufen, als es die Ergebnisse unterm Strich vermuten lassen.

Trotz dieses Verlusts war 2016 kein schlechtes Jahr für die Deutsche Bank. Für uns im Vorstand war es aus zwei Gründen sogar sehr ermutigend: Zum einen hat die Deutsche Bank eindrucksvoll bewiesen, wie widerstandsfähig sie ist. Nach den turbulenten Wochen im September und Oktober konnten wir die Stimmung in einigen Bereichen unsers Geschäfts wieder drehen. Das zeigt sich an den Einlagen unserer Privat- und Firmenkunden in Deutschland: Im Oktober gingen sie zurück, aber im November und Dezember legten sie schon wieder zu – zum Jahresende waren die Einlagen höher als zu Jahresbeginn.

Noch wichtiger aber ist: Seit wir uns kurz vor Weihnachten grundsätzlich mit dem US-Justizministerium einigten, machen auch die Kunden, die sich im Herbst zurückgezogen hatten, wieder deutlich mehr Geschäft mit uns. Und das spiegelt sich im vielversprechenden Jahresauftakt 2017 wider. In wesentlichen Bereichen unserer Bank läuft es deutlich besser als im Januar des Vorjahres, zum Beispiel im Kapitalmarktgeschäft.

Diese Widerstandskraft ist maßgeblich Ihr Verdienst, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich möchte Ihnen deshalb im Namen des Vorstands für Ihren außerordentlichen Einsatz und Ihre große Leistung herzlich danken.

Der zweite Grund, warum 2016 für mich ermutigend war: Wir sind gut dabei vorangekommen, unsere Altlasten abzuarbeiten und die Bank umzubauen. Wir haben also nicht nur ein ehrgeiziges Programm angekündigt, sondern wir haben geliefert. Ich möchte nur einige Beispiele nennen:

— Die Arbeit unserer Abbaueinheit NCOU ist praktisch abgeschlossen. Seit Mitte 2012 haben wir die einst 128 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva um mehr als 90 Prozent verringert. So konnten wir diese Einheit wie geplant zum Jahrsende schließen. Damit verschwindet ein lange bestehender Unsicherheitsfaktor, der unser Vorsteuerergebnis im vergangenen Jahr noch mit 3,2 Milliarden Euro belastet hat – inklusive Rechtskosten. Gleichzeitig, und das war uns sehr wichtig, hat die NCOU unterm Strich trotz dieser Verluste über die Jahre rund 8,5 Milliarden Euro an Kernkapital freigesetzt. Zu diesem Erfolg möchte ich dem NCOU-Team gratulieren.

— Wir sind auch beim Umbau unserer Privat- und Firmenkundenbank in Europa einen großen Schritt vorangekommen. Nach intensiven Vorbereitungen haben wir bereits einige Filialen in Deutschland zusammengelegt und planen, in diesem Jahr 181 weitere zu schließen. Gleichzeitig haben wir das erste von acht regionalen Beratungscentern eröffnet, die unsere Kunden auch abends und am Wochenende nutzen können. Und schließlich bieten wir mehr und besseren Rat auf digitalen Kanälen an. Dazu gehört, dass man ein Konto bei uns inzwischen in weniger als zehn Minuten online eröffnen kann.

— Die Finanzkraft der Deutschen Bank war selten größer als heute. Unsere harte Kernkapitalquote (bei Vollumsetzung der Basel-3-Regeln) konnten wir auf 11,9 Prozent verbessern. Das ist der beste Wert seit drei Jahren. Wir übertreffen die aktuellen Mindestanforderungen der Aufsichtsbehörden – und zwar mit einem Puffer von mehr als elf Milliarden Euro. Unsere Liquiditätsreserven sind im vierten Quartal unter dem Strich um fast zehn Prozent gestiegen, von 200 auf 218 Milliarden Euro. Und unsere Markt- und Kreditrisiken sind auf einem sehr niedrigen Niveau.

— Die Bank ist auch deshalb sicherer geworden, weil wir unsere internen Kontrollen erheblich verbessert haben. 2016 haben wir gut 350 zusätzliche Mitarbeiter im Bereich Compliance sowie für den Kampf gegen die Finanzkriminalität eingestellt, mehr als 600 weitere werden dieses Jahr folgen.

— Unsere IT-Infrastruktur ist stabiler und gleichzeitig moderner denn je. Die Zahl unserer Betriebssysteme haben wir bereits um sieben auf 38 reduziert – und kommen damit schneller voran als geplant. Unser Ziel bleibt es, mit nur noch vier Betriebssystemen zu arbeiten.

— Wir haben inzwischen ein globales Innovationsnetzwerk aufgebaut. Hierzu zählen unsere Digitalfabrik in Frankfurt-Sossenheim, das Datenlabor in Dublin und unsere Innovationslabore in Berlin, London und Palo Alto. Wir arbeiten mit der Hochschule MIT in Boston und dem Startup-Förderer Axel Springer Plug & Play in Berlin zusammen.

— Und nicht zuletzt: Bei den Rechtsfällen haben wir große Fortschritte gemacht. Im vergangenen Jahr und insbesondere in den vergangenen Wochen konnten wir maßgebliche Verfahren abschließen – unter anderem zivilrechtliche Auseinandersetzungen zu US-Hypotheken und Edelmetallen, einen langjährigen Rechtsstreit mit der isländischen Bank Kaupthing sowie Teile des Russland-Verfahrens, in dem es um unsere Geldwäsche-Kontrollen ging.

Gerade der letzte Punkt ist für uns eine besondere Erleichterung. All die Rechtsfälle haben die Reputation unserer Bank sehr belastet und uns die Arbeit erschwert. Wir im Vorstand und in der Bankführung als Ganzes sind fest entschlossen, alles zu tun, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen können. Gleichzeitig bekennen wir uns zu der besonderen Verantwortung, die wir nach den Ereignissen der vergangenen Jahre tragen – darauf werde ich in der heutigen Medienkonferenz näher eingehen.

Lassen Sie uns die Deutsche Bank, diese traditionsreiche Institution, wieder zurück zu ihrer alten Stärke führen. Wir wollen eine Bank sein, die wirtschaftliches Wachstum fördert und die Gemeinschaft voranbringt. Eine Bank, die Positives bewirken kann – für ihre Kunden, ihre Mitarbeiter, ihre Investoren und für die Gesellschaft.

Herzliche Grüße

Ihr John Cryan