28. Mai 2018

Künstliche Intelligenz kann Produktivität und Wachstum bringen, aber auch mehr Ungleichheit

Rasche Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik könnten weltweit zu Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum sowie einem Innovationsschub führen. Allerdings könnte sich auch die Schere zwischen den Industriestaaten und den Schwellenländern weiter öffnen, wenn die reicheren Nationen mehr technologische Lösungen für Aufgaben finden, die zuvor ins Ausland verlagert wurden, so die Warnung der Ökonomen von Deutsche Bank Research.

In der ersten Studie einer neuen Reihe untersuchen die Experten wie sich die digitale Revolution auf unser Leben, unsere Arbeit und Gesellschaft auswirkt. Sie kommen zu dem Schluss, dass die sich ausbreitenden KI-Technologien und Robotik in den Volkswirtschaften rund um den Globus unterschiedliche Folgen haben werden. „Wohlhabende Industrieländer könnten ihre Produktion zurückholen. Sie hatten sie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in weniger entwickelte Volkswirtschaften ausgelagert, wodurch sich diese wirtschaftlich entwickelten“, sagen die Volkswirte. Bedroht also die Automatisierung die bedeutenden Fertigungsstandorte in den Schwellenländern? Oder könnten auch neue Chancen für Start-ups und kleine Unternehmen entstehen, wenn sich neue Technologien verbreiten?

Die Studie „Digitale Wirtschaft – Wie künstliche Intelligenz und Robotik unser Leben verändern“ räumt gleich zu Beginn ein, dass die Entwicklung bislang schwer abzusehen ist. Die Autoren wollen jedoch den Diskurs anregen und strukturierte Informationen liefern anstatt „vereinfachte Antworten zu geben“.

Die Studie betrachtet sowohl Volkswirtschaften als auch einzelne Arbeitnehmer und Berufsgruppen. Falls „KI dem Menschen irgendwann in allen kognitiven physischen und vielleicht sogar emotionalen Belangen überlegen ist“, werde dies gesellschaftliche Folgen haben. Dem Argument, dass die Maschinen dem Menschen in vielen Bereichen bereits weit überlegen sind, hält die Studie entgegen, dies seien üblicherweise „manuelle und schwere oder standardisierte körperliche Tätigkeiten“. Da KI jedoch verschiedenste kognitive Fähigkeiten übernehmen könne, argumentieren die Experten, dass sich dieses Phänomen von den Werkshallen der Fabriken bis in die Führungsetagen ausbreiten und so eine ganz neue Phase des digitalen Umbruchs einleiten könne.

Freizeit für alle, die Arbeit machen Maschinen?

Mit neuen Technologien sind bislang auch immer neue Aufgaben und Berufe entstanden. Wird das beschriebene Umbruchszenario verlorene Arbeitsplätze durch neue ersetzen können? Oder werden wir alle künftig in einer „Freizeitgesellschaft“ leben, in der Maschinen für unseren Lebensunterhalt sorgen? Alternativ könnte der technologische Fortschritt aber auch zu mehr Ungleichheit, Massenarbeitslosigkeit und zunehmender Verarmung der Menschen führen. Wie würde sich ein solches Szenario auf politische Systeme, die Rolle der Regierungen und den Sozialstaat auswirken?

Diese und anderen Fragen, beispielsweise ob die Computer diejenigen „überrollen“ werden, die sie erschaffen haben, oder ob KI dazu beitragen könnte, den Klimawandel aufzuhalten, also viele der wirtschaftlichen und politischen Implikationen von Schlüsseltechnologien wollen die Ökonomen von DB Research in der Publikationsreihe eingehender beleuchten.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Eine Auflistung aller Publikationen von DB Research zum Thema Digitalisierung finden Sie hier.

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