Banken oder Fintechs: Wer gestaltet die Zukunft der Finanzbranche?

Als Banken nach 2008 unter den Folgen der Finanzkrise litten, erlebten Fintechs einen Boom. Sie forderten traditionelle Geldhäuser in ihren angestammten Geschäftsfeldern heraus. Ist das heute eigentlich immer noch so?

Fintechs und ihre Anwendungen sind heute aus dem täglichen Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Vielen ist das vielleicht gar nicht bewusst. Aber die jungen Digital-Firmen ermöglichen es beispielsweise, dass wir unkompliziert über das Smartphone mit nur wenigen Klicks Einkäufe bezahlen, Geld überweisen, Anlagen tätigen und auch Kredite aufnehmen.

Schon heute nutzen mindestens 46 Prozent der Konsumenten Services von mindestens drei verschiedenen Fintechs.

(Cap Gemini, World Fintech Report 2020)

Die bekanntesten Fintechs bedienen heute bereits den Massenmarkt und werden an der Börse sogar teilweise so hoch bewertet wie traditionelle Banken. Gerade in der Corona-Krise hat nicht nur der Onlinehandel einen Aufschwung erlebt – auch das digitale Bezahlen wurde beliebter und hat Fintechs in diesem Bereich kräftige Zuwächse beschert.

Fintechs wuchsen im Schatten der globalen Finanzkrise

Der Fintech-Boom ist ein Phänomen, das sich jedoch schon seit Anfang der 2000er Jahre entwickelte. Junge Unternehmen begannen, konsequent die Möglichkeiten der sich rasant entwickelnden Informationstechnologie zu nutzen. Diese Entwicklung erfolgte im Schatten der globalen Finanzkrise. So wurde nur wenige Monate vor dem Zusammenbruch von Lehman im Jahr 2008 ein Technologiekonzept lanciert, das tiefgreifende Folgen haben sollte: Der „App Store“ von Apple brachte digitale Vertriebsplattformen über das neu eingeführte iPhone 3G direkt zu den Nutzern. Neu war zu dem Zeitpunkt, dass die Anwendungen dabei zum großen Teil nicht von Apple selbst, sondern von Drittanbietern und freien Entwicklern stammten. Während die etablierten Banken in den folgenden Jahren damit beschäftigt waren, die Auswirkungen der Krise zu bewältigen, begannen Fintechs mit ihren frischen Ideen, Banken in ihren traditionellen Geschäftsfeldern herauszufordern.

Im Gegensatz zu anderen Branchen waren Banken nicht unbedingt bekannt dafür, sich zu öffnen. Sie entwickelten ihre Produkte und Dienstleistungen noch weitgehend hinter verschlossenen Türen. Als die ersten agilen Fintech-Unternehmen den Markt betraten, änderte sich diese Mentalität. Banken reagierten, indem sie ihr Geschäft selbst digitalisierten, arbeiteten aber nun auch mit Fintechs und anderen Technologie-Start-ups zusammen.

Kunden erwarten von Banken, dass sie schneller, transparenter und digitaler werden”

Ramin Niroumand, Gründer und CEO, finleap

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Deutsche Bank öffnet sich für Start-ups

Wie funktionierte nun diese neue Zusammenarbeit? Um gemeinsam mit Fintechs, Startups und anderen etablierten Unternehmen neue Angebote für Kunden zu entwickeln, hat die Deutsche Bank 2015 damit begonnen, die bankeigene Programmierschnittstelle dbAPI (Deutsche Bank Application Programming Interface) zu etablieren. Seit 2017 ist diese Schnittstelle für externe App-Anbieter offen, mehr als 30 Kooperationspartner nutzen sie bereits. Dabei sollen auch neue Zielgruppen und Branchen mit der Bank in Kontakt treten, die nicht unbedingt mit dem klassischen Finanzgeschäft in Verbindung stehen.

Fintechs gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als Innovationstreiber. Für viele stellt sich hier die Frage: Können Banken überhaupt genauso innovativ sein? „Ja“, meint Gil Perez. Er ist im Bereich Technologie, Daten und Innovation (TDI) der Deutschen Bank für Strategie und das weltweite Innovationsnetzwerk zuständig.. Es mangele nicht an Ideen:

In unserer 150-jährigen Geschichte haben wir unsere Innovationsfähigkeit wiederholt unter Beweis gestellt, und dass wir Kunden dienen und dabei wirtschaftlichen Wert schaffen können.

Gil Perez, Head of Strategy & Innovation Networks bei der Deutschen Bank

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Lesen Sie in unserem Dossier das gesamte Interview mit Gil Perez, hören sie von Ramin Niroumand, wie Fintechs Banken grundsätzlich verändert haben, entdecken Sie, wie sich das an Zahlen und Fakten bereits festmachen lässt und lernen Sie in unserem Video-Feature unsere noch junge Kooperation mit BitsaboutMe kennen: Das Tech-Start-up aus der Schweiz möchte Nutzern über seine Anwendungen die volle Kontrolle über ihre Daten zurückgeben.

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