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Von Schnecken zu Bitcoins

Wenn es um den Austausch von Waren und Dienstleistungen geht, waren Menschen seit frühester Zeit erfinderisch.

Erst tauschten sie direkt – beispielsweise ein Kamel gegen zehn Schafe –, dann setzten sie auf Tauschmittel wie Salz oder Kaurischnecken, später auf Münzen und Banknoten. Jede neue Bezahlmöglichkeit veränderte die Wirtschaft und die Gewohnheiten der Menschen. Die Digitalisierung erhöht diesen Takt. Aufstrebende Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum schicken sich an, die Zukunft des Bezahlens neu zu definieren.

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Es begann mit einer Schnecke

Bevor es Geld gab, dienen Tauschgegenstände als Wertausgleich für Dienstleistungen und Waren. Bekannter Vertreter ist die Kaurischnecke, die von etwa 2.000 v. Chr. bis in das späte 19. Jahrhundert als Tauschmittel oder Naturalgeld weit verbreitet war. Die Kaurischnecken zirkulierten als fälschungssichere, internationale „Währung“ auf dem halben Globus, dennoch war Kaurigeld kein Geld im Sinne von Währung, denn es gab dafür keine staatliche Aufsicht und kein Bankensystem.

Coins, Reichsbank Germany, 1920s

Münzen und Papier

Das klassische Münzgeld selbst kommt ungefähr 700 v. Chr. erstmals auf und setzt sich langsam durch. Im Unterschied zum Kaurigeld sind Münzen vom Staat genehmigte Zahlungsmittel, deren Prägung geregelt ist. Papiergeld tritt in Europa erstmals im 15. Jahrhundert in Spanien auf, weil es an Münzgeld fehlte. In Deutschland setzte es sich allerdings erst ab dem 19. Jahrhundert durch, als Bürger die Vorteile bei großen Zahlungen erkennen. Banknoten sind leichter als Münzen und damit einfacher zu transportieren. Zu einer regelrechten Verdrängung des Münzgelds zugunsten von Banknoten kommt es im Ersten Weltkrieg, da die in Münzen verwendeten Metalle für die Rüstungsindustrie benötigt werden. Der Anteil der Münzen an der Geldmenge reduziert sich zwischen Kriegsbeginn und Kriegsende von 56 Prozent auf 0,006 Prozent.

Mann mit Debitkarte

Bargeldloses Bezahlen erobert die Welt

Mit den ersten Kreditkarten in den 1950er-Jahren in den USA und dann weltweit verändert sich das Bezahlverhalten von Privatpersonen deutlich – bis heute. Jetzt muss man Ausgaben, beispielsweise während einer Urlaubsreise, nicht mehr im Voraus planen und größere Beträge an Bargeld mit sich führen – auch aus Sicherheitsründen ein großer Vorteil.

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Eine vergessene Brieftasche gibt den Anstoß

Eingeläutet wird die Ära der Kreditkarten durch den Diners Club, den Frank McNamara 1950 erfindet. Der Gründungsmythos besagt, dass McNamara 1949 beim Essen in seinem New Yorker Stammlokal seine Geldbörse vergessen hatte und als Sicherheit seine unterschriebene Visitenkarte hinterlassen habe. Damit ihm diese Peinlichkeit nicht nochmal passieren kann, soll er den Diners Club gegründet haben. Dieser gab Anfang 1950 die erste Kreditkarte heraus, zunächst nur für Restaurants.

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Schon die Tempelritter bezahlen mit Reiseschecks

Bereits im 12. Jahrhundert werden die ersten bargeldlosen Bezahlmethoden erfunden, um Reisen ins Ausland zu erleichtern. Mit den Kreditbriefen des Templerordens – einem Vorläufer der Travellerschecks – bekommen Pilger für ihr in Europa eingezahltes Geld eine Quittung, die sie auf ihrer Reise ins Heilige Land in den Niederlassungen (Komtureien) der Templer einlösen können.

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Geld aus dem Automaten

Seit den 1980er-Jahren ermöglichen Bankautomaten einen deutlich leichteren Zugang zu Bargeld. Sie werden im Laufe der Zeit um neue Funktionen erweitert, wie zum Beispiel Überweisungen. Mit ihrer weltweiten Verbreitung bieten sie auch im Ausland schnellen und einfachen Zugang zu Bargeld.

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Bargeldloses Bezahlen wird alltagstauglich

Die Einführung des mobilen Bezahlens über die mit einem „Chip & Pin“ ausgestatte Euroscheck-Karte ermöglicht seit 1990 schrittweise das bargeldlose Bezahlen in Supermärkten und anderen Geschäften des täglichen Bedarfs. Plötzlich ist es möglich, auch spontan ganz unabhängig vom Bargeld einzukaufen.

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Die Bank in der Hosentasche

Mit dem Siegeszug von Internet und Onlinehandel verlagert sich das Kaufverhalten in die virtuelle Welt. Bezahlsysteme wie PayPal setzen sich durch. Sie werden ergänzt durch im Smartphone integrierte Dienste wie Google Pay oder Apple Pay.

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Bezahlen im Vorbeigehen

Heute wird bereits an den nächsten Schritten von digitalem Bezahlen gearbeitet. Heute muss man als Kunde Zahlungen auslösen. In den nächsten Jahren kann es dagegen dazu kommen, dass Abbuchungen automatisch erfolgen. Zum Beispiel im Supermarkt: Sobald man seine Ware in einen Einkaufswagen legt und aus dem Supermarkt hinausläuft, wird die Summe automatisch abgebucht.

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Und in Zukunft? Bezahlen mit Kryptowährungen?

Kryptowährungen sind die neueste Entwicklung in einer langen Reihe finanzieller Innovationen. Heute gelten sie überwiegend noch als Spekulationsobjekt. Vereinzelt kann man aber schon mit ihnen bezahlen und verschiedene Unternehmen denken darüber nach, sie als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Alexander Gallas

ist beeindruckt, wie sich Bezahlsysteme über den Lauf der Jahrtausende entwickelt haben und wie die Digitalisierung teils uralte Ansätze auf eine neue Ebene hebt.

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