„Mobiles Geld hilft Menschen in Ghana, am Wirtschaftsleben teilzuhaben“

Mobiles Geld boomt in Ghana. Vielen Menschen gibt es überhaupt erst einen Zugang zu Finanzdienstleistungen, erklärt Eli Hini. Der Chef von MobileMoney Limited sieht internationale Zahlungsanbieter nicht als Konkurrenten.

Im westafrikanischen Ghana wird es immer beliebter, Geld in einer digitalen Brieftasche aufzubewahren. Die Entwicklung ist beeindruckend: Laut dem Statistikportal statista hatten im Januar 2021 rund 39 Prozent der Menschen über 15 Jahren ein mobiles Geldkonto. Drei Jahre zuvor lag der Anteil erst bei 13 Prozent.

Wer in Ghana Bargeld in mobiles Geld umwandeln möchte, kann dazu Agenturen aufsuchen, die Bargeld annehmen und auf das mobile Konto einzahlen (genannt: „cash in“). Sie können dieses Geld dann per Telefon an jemanden senden, der es wiederum bei einer Agentur als Bargeld abholen kann (genannt: „cash out“).

Im Vergleich mit Europa unterscheidet sich der Markt für mobile Zahlungen in Afrika stark: Telekommunikationsunternehmen haben dort laut einem Bericht der Boston Consulting Group von 2020 einen viel größeren Marktanteil als Banken. Diese konzentrierten sich in der Regel auf Wohlhabende, zu denen nur rund zehn Prozent der afrikanischen Erwachsenen gehören. Telekommunikationsunternehmen wendeten sich an ein viel breiteres Spektrum der Bevölkerung.

Herr Hini, inwieweit fördert mobiles Geld die finanzielle Teilhabe in Ghana?

Die Wirkung ist enorm. Mehr Ghanaer als je zuvor haben jetzt Zugang zu Finanzdienstleistungen. Und das ist dem mobilen Geld zu verdanken. Das Schöne an mobilem Geld ist, dass es einfacher ist, eine elektronische Geldbörse einzurichten, also ein gängiges Bankkonto zu eröffnen.

Wie einfach ist das denn?

Sie müssen sich nur ausweisen können. Mit der virtuellen Geldbörse können Sie dann mit dem Smartphone Geld überweisen oder auch ansparen. In dem Fall überweisen wir den Sparbetrag an Partnerbanken, die Zinsen auf die Einlage zahlen. Außerdem können viele Kund*innen über unsere Plattform Versicherungen und Rentenbeiträge abschließen.

Klingt einfach. Allerdings ist nur etwa die Hälfte der Ghanaischen Bevölkerung registriert. Wie wollen Sie die anderen erreichen?

Es muss nicht zwingend der Ausweis sein. Wir schicken unsere Mitarbeiter*innen mit Bussen in ländliche Gemeinden, um die Menschen vor Ort bei MTN Mobile Money Wallets anzumelden. Das geht unter anderem mit dem Führerschein, dem Wählerausweis und der NHIS-Karte (National Health Insurance Scheme). Die beiden letzteren sind auch auf dem Lande gängig. Und natürlich sind unsere Mitarbeitenden darin geschult, welche Ausweise sie akzeptieren können.

Die Weltbank kritisierte 2019, dass gerade Frauen oft keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten. Was tun Sie dagegen?

Wir haben Programme ins Leben gerufen, die sich speziell an Frauen richten und ihnen die Vorteile einer digitalen Brieftasche aufzeigen. Beispielsweise können sie so auch Zahlungen für die von ihnen verkauften Produkte erhalten. Und das ist auch ein Schutz davor, ausgeraubt zu werden – was früher viel öfter vorkam. Man kann also sagen, dass mobiles Geld die Art und Weise, wie wir in unserem Land Handel treiben, verbessert.

Auf dem Markt herrscht ein starker Wettbewerb mit großen internationalen Zahlungsanbietern. Sehen Sie diese als potenzielle Konkurrenten?

Nein, aus meiner Sicht bieten diese Unternehmen eher ergänzende Dienstleistungen an, denn um mit unserem Angebot konkurrieren zu können, müssten sie hier auch Mitarbeiter*innen haben. Ich denke also, sie haben eher an anderen Bereichen Interesse, wie dem Zahlungsverkehr, bei dem im Ausland lebende Menschen für bestimmte Waren und Dienstleistungen für ihre Angehörigen bezahlen können, anstatt ihnen Bargeld zu schicken, das dann möglicherweise nicht für den beabsichtigten Zweck verwendet wird.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Wir wollen uns stärker in Richtung einer Plattform für verschiedene Dienstleistungen entwickeln. Beispielsweise sollen unsere Finanzdienstleistungspartner ihre Produkte direkt über uns anbieten, so dass unsere Kund*innen unter verschiedenen Anbietern auswählen können. So haben sie mehr Flexibilität und eine größere Auswahl. Darüber hinaus fokussieren wir uns auf den Zahlungsverkehr im Handel, damit weniger bar bezahlt werden muss.

Fotos von Espen Eichhöfer, OSTKREUZ Agentur der Fotografen

Über Eli Hini

Eli Hini ist CEO von MobileMoney Limited, einer Tochtergesellschaft von MTN Ghana, die sich auf mobiles Bezahlen spezialisiert hat. Hini ist für die Bereiche Innovation, Geschäftsentwicklung und Strategie verantwortlich.

Er hat einen Bachelor of Science von der Kwame Nkrumah Universität und ein Diplom in Marketing vom Chartered Institute of Marketing, in Großbritannien.

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