Wagnis und Weitblick: Investitionen in Technikpioniere
Die Deutsche Bank begleitete in ihrer Geschichte visionäre technische Projekte – vom Atlantikkabel über elektrische Schnellzüge und Raketenexperimente bis hin zu Solarflugzeugen. Oft ihrer Zeit voraus, manchmal riskant, aber stets wegweisend.
Das viktorianische Internet
Die Telegrafie war der Schlüssel für das globale Geschäft der Deutschen Bank seit ihrer Gründung 1870. Sie ermöglichte es, von Berlin aus die Niederlassungen in London, Asien, Lateinamerika und den USA zu steuern und Nachrichten in kürzester Zeit zu übermitteln.
Als Katalysator des Welthandels war die Telegrafie über Land- und Seekabel unverzichtbar. Besonders eine Verbindung zwischen Europa und Nordamerika war gefragt, doch die technischen Hürden waren enorm. Nach einem ersten, kurzlebigen Versuch 1858 gelang 1866 die Verlegung eines erfolgreicheren Atlantikkabels.
Dies rief Nachahmer auf den Plan. Die Unternehmer- und Erfinderfamilie Siemens gründete 1873 die „Direct United States Cable Company“ mit dem Ziel, eine weitere Telegrafenlinie zwischen Großbritannien und den USA zu verlegen. Mit dem firmeneigenen Kabeldampfer Faraday und einem neuentwickelten Kabel wurde die Verbindung bereits 1874 fertiggestellt.
Georg Siemens, der erste Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank und ein Verwandter der Siemens-Familie, glaubte fest an das Projekt. Da seine Vorstandskollegen und der Verwaltungsrat jedoch zögerten, beteiligte sich die Bank nur in begrenztem Umfang. Als die Platzierung der Anteile zu scheitern drohte, rettete Georg Siemens das Vorhaben, indem er privat Aktien kaufte.
Trotz des technischen Erfolgs konnte sich das Unternehmen nicht gegen die starke britische Konkurrenz durchsetzen. Es wurde mit einem großen Verlust für die Kapitalgeber, einschließlich Georg Siemens, aufgelöst.
Elektrische Schnellbahnen
Ende des 19. Jahrhunderts begannen Experimente mit elektrischen Schnellzügen. Um zu testen, ob die Stromzufuhr über eine Oberleitung auch bei hohem Tempo funktioniert, wurde 1899 die Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen gegründet. Die Deutsche Bank führte das Konsortium mit einem Anteil von 20 Prozent an.
Weitere Gesellschafter waren führende Industrieunternehmen wie AEG, Siemens & Halske, Krupp und Bankhäuser wie Delbrück, Leo & Co. Und die Nationalbank für Deutschland. Für die Testfahrten wurde eine 23 Kilometer lange Strecke im Süden Berlins eingerichtet. Die Kölner Firma van der Zypen & Charlier baute zwei Triebwagen, deren elektrische Ausrüstung von AEG und Siemens & Halske stammte.
Bei den Testfahrten 1903 wurde eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h erreicht. Arthur Gwinner, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, erlebte eine Fahrt mit immerhin 180 km/h – damit hielt er für viele Jahre den Geschwindigkeitsrekord für Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank.
Obwohl die Versuche ein technischer Erfolg waren, erwiesen sie sich als ihrer Zeit zu weit voraus. Ein wirtschaftlicher Gewinn war nicht sofort realisierbar. Nachdem die Studiengesellschaft ihren Zweck erfüllt hatte, wurde sie 1905 aufgelöst.
Auf dem Weg zum Mond
Motoren in der Luft und auf dem Boden beflügelten die Fantasie des Vorstands der Deutschen Bank in den 1920er- und 1930er-Jahren. Das Engagement bei Firmen wie Daimler-Benz, BMW und Lufthansa ist Ausdruck dafür. Auch mit der modernsten Motorentechnik der damaligen Zeit, dem Raketenantrieb, kam die Deutsche Bank schon früh in Berührung.
1931 suchte der erst 19-jährige Wernher von Braun bei der Bank finanzielle Unterstützung für seine Forschungen und Experimente zur Raketentechnik. Der später berühmte Raumfahrtpionier, Konstrukteur der Saturn-V-Trägerrakete für die erste Mondlandung, aber auch der berüchtigten „Vergeltungswaffe” V2, hatte schon als Jugendlicher ein intensives Interesse an explosiven Stoffen und Feuerwerkskörpern und mit Raketen und diversen anderen Flugkörpern experimentiert.
Aus Sicht der Geldgeber besaß die neue Technologie noch keine Marktreife. Bei der Vorführung auf dem Raketenflugplatz bekamen die Vertreter der Bank nur Fehlversuche zu sehen. Ihr Interesse an der der Raketentechnik endet so früh. Trotzdem machte von Braun eine steile Karriere, die ihn 1960 bis an die Spitze des „Marshall Space Flight Center“ der NASA führte.
Solar Impulse
Mit dem Ziel, die Nutzung und Förderung von erneuerbaren Energien voranzutreiben, entwickelten die Schweizer Bertrand Piccard und André Borschberg ein Solarflugzeug. Das „Solar Impulse“ getaufte Flugzeugprojekt sollte als Symbol die Botschaft vermitteln, dass mit den heutigen Technologien die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert werden kann.
Die Initiatoren brachten ideale Voraussetzungen mit. Borschberg ist ausgebildeter Pilot und Piccard entstammt einer Pionierfamilie: Sein Großvater stellte 1932 einen Höhenrekord im Ballon auf, sein Vater erreichte 1960 den tiefsten Punkt des Meeres und Piccard selbst umrundete 1999 als Erster die Erde nonstop in einem Ballon.
Mit ihrer Begeisterung gewannen Borschberg und Piccard die Deutsche Bank als einen der Hauptförderer. Die Bank unterstützte Solar Impulse, da das Projekt das Potenzial erneuerbarer Energien anschaulich demonstrierte.
Vor dem Jungfernflug am 7. April 2010 mussten große technische Herausforderungen gemeistert werden. Das Flugzeug erforderte eine extreme Leichtbauweise und Batterien mit maximaler Speicherkapazität. Gespeist wurden diese von über 11.000 Siliziumzellen auf den Tragflächen, deren Spannweite mit 63,4 Metern der eines Airbus A340 entsprach.
Ein Meilenstein war der erste 24-Stunden-Flug im Juli 2010, der bewies, dass das Flugzeug auch nachts fliegen kann. Tagsüber lud es auf über 9.000 Metern Höhe seine Akkus auf, um die Nacht zu überstehen. Weitere Erfolge folgten: 2012 der erste Interkontinentalflug eines Solarflugzeugs und 2013 die Überquerung der USA in fünf Etappen. Mit der Landung in Abu Dhabi 2016 vollendete das Team die Weltumrundung.
Von der Telegrafie bis hin zu Solarflugzeugen – die Deutsche Bank hat über 150 Jahre immer wieder visionäre Technologien begleitet. Manche Projekte waren ihrer Zeit voraus, andere setzten neue Maßstäbe. Gemeinsam ist ihnen der der Antrieb und der Mut, Innovationen zu fördern und sie auf lang Sicht wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Diese Seite wurde im Februar 2026 veröffentlicht.
Martin L. Müller
… beschäftigte sich als Unternehmenshistoriker der Deutschen Bank viele Jahre lang mit den verschiedenen Facetten der Industriefinanzierung. Technische Innovationen – ob zu Lande, auf dem Wasser oder in der Luft – frühzeitig zu erkennen, spielte in der über 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bank oft eine entscheidende Rolle.
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