Ohne Kohle keine Innovation

Wie mutige Firmen an Geld kommen können

Für Fortschritt brauchen wir mutige Unternehmen, die Risiken eingehen. Hier sprechen drei Expert*innen über Finanzierungsmöglichkeiten für kühne Vorhaben.

Video: Ohne Kohle keine Innovation – wie mutige Firmen an Geld kommen können

Neuartige Nahrungsmittel, Weltraumforschung oder Impfstoffe gegen das Corona-Virus – Erfindungen haben schon immer das Leben von Menschen verändert. Ihr Treibstoff ist der Mut, an eine Idee zu glauben und sie konsequent umzusetzen. Klimawandel und Digitalisierung stellen uns vor drängende Fragen. Zum Beispiel, wie wir die Veränderungen bewältigen und dringend nötige Innovationen finanzieren. Und was unterschiedliche Regionen hier voneinander lernen können. Darüber haben wir mit drei Expert*innen aus der Deutschen Bank gesprochen, die jeweils eine ganz eigene Sicht auf das Thema haben.

Drei Experten, drei Ideen, drei Konzepte

Henrik Johnsson sieht vor allem europaweit einheitliche Kapitalmärkte als Chance. „Europa braucht mutige Initiativen, um mit anderen Weltregionen mithalten zu können“, sagt Johnsson, der Co-Chef der Investmentbank für die Region Europa, Nahost und Afrika. „Und um solche Initiativen zu finanzieren, müssen wir Grenzen überwinden.“ Hier verweist Johnsson auf die USA mit ihrem stark ausgebildeten Kapitalmarkt. „Europa ist hingegen komplett fragmentiert“, sagt er. „Das erschwert es Firmen, Geld von unterschiedlichen Investoren zu bekommen.“

Das erschwert es Firmen, Geld von unterschiedlichen Investoren zu bekommen.
Henrik Johnsson, Co-Chef der Investmentbank für die Region Europa, Nahost und Afrika

Sandra Primiero geht das Problem von der anderen Seite an: Über sogenannte Public-Private-Partnerships könnten Staaten Kredite für bestimmte strategische Projekte der Privatwirtschaft garantieren. „Um beispielsweise eine Infrastruktur für grünen Wasserstoff aufzubauen, braucht es gewaltige Summen“, sagt Primiero, die in der Handelsfinanzierung arbeitet. „Wer solche Projekte finanziert, muss sich darauf verlassen können, dass die Regierung des jeweiligen Landes voll dahintersteht.“ Wenn Regierungen sich mit Garantien oder eigenen Mitteln beteiligten, könne das für das notwendige Vertrauen sorgen.

Einen ganz anderen Ansatz beschreibt der Blockchain-Experte Stefan Teis: „Kleine Firmen mit wagemutigen Ideen können keine Aktien emittieren.“ Stattdessen könnten sie ihre Vorhaben künftig über sogenannte Security-Token finanzieren.

Diese Token könnten eine günstige Möglichkeit sein, Investoren aus aller Welt anzuziehen.
Stefan Teis, Produktmanager für Blockchain, dezentrale Transaktionsregister (DLT), digitale Assets und Währungen

Security-Token repräsentieren einen Anteil an einer Firma. „Diese Token könnten eine günstige Möglichkeit sein, Investoren aus aller Welt anzuziehen.“ Hier müsse allerdings die Regulierung noch deutlich besser werden, um die Rechte von Anlegern zu schützen. „Das ist aus meiner Sicht essenziell“, sagt Teis. „Denn nur so kann das Vertrauen entstehen, das es braucht, damit Anleger auch langfristig in kleine, wirklich mutige Unternehmen investieren.“

Über Sandra Primiero

Sandra Primiero leitet den Bereich Natural Resource Finance (Finanzierung natürlicher Ressourcen) in unserer Unternehmensbank. Mit ihren Teams in Europa, der Region Asien-Pazifik und in Nord- und Südamerika bietet sie Kunden im Rohstoffsektor umfangreiche Kredit- und Handelsfinanzierungslösungen an. Ein Schwerpunkt ihres Teams liegt dabei auf der Begleitung der Kunden auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und der Verringerung des ökologischen Fußabdrucks. Mit einem breiten Spektrum an Lösungen unterstützen sie hierbei Produzenten, verarbeitende Unternehmen und Händler im Rohstoffsektor bei ihrer grünen Transformation.

Über Henrik Johnsson

Henrik Johnsson kam 2001 zur Deutschen Bank. Seitdem hatte er unterschiedliche Rollen in der Investmentbank inne. Heute leitet er die Investmentbank in Europa in einer Doppelspitze und ist verantwortlich für das Kapitalmarktgeschäft und die Betreuung von Sektoren in Europa. Er ist außerdem Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Deutschen Bank.

Über Stefan Teis

Stefan Teis ist seit Januar 2021 bei der Deutschen Bank. Er ist im Produkt-Management der Unternehmensbank für alle Themen rund um Blockchain/dezentrale Transaktionsregister (DLT), Digitale Assets und Währungen verantwortlich. Er arbeitet seit 2016 im Bereich Blockchain. Bevor er zur Deutschen Bank kam, hat Stefan für Beratungs- und Softwarefirmen sowie bei Börsen gearbeitet. Stefan hat im Bereich Theoretische Kernphysik promoviert.

Susanne Rohde

war schon immer von Unternehmer*innen fasziniert, die den Schritt ins Unbekannte wagen. Sie selbst hat auf vier Kontinenten gelebt und erfahren, dass das Verlassen der Komfortzone gleichermaßen herausfordernd wie bereichernd sein kann. Sie fragt sich: Was braucht es, um eine Vision zum Erfolg zu machen, wenn man geschäftliches Neuland betritt. Welche Faktoren sind die wichtigsten?

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