Tomaten wie aus Muttis Garten

Tomaten sind für Francesco Mutti Familiensache - und sein Weg, Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. In einem schwierigen Moment entschied er, das Geschäft zu verändern.

Video: Wie Mutti die Firma umkrempelte

Tomaten sind für Francesco Mutti Familiensache - und sein Weg, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Er führt das 1899 gegründete Unternehmen Mutti Tomaten aus Parma in der vierten Generation. Als er es 1994 von seinem Vater übernommen hat, machte Francesco hohe Qualität und nachhaltige Produktion zur Grundvoraussetzung seiner Arbeit. Er hatte die Vision, eine Marke aufzubauen. „Jeder sagte mir, es sei eine absolut verrückte Idee. Am Anfang habe ich nicht so gut geschlafen“, erzählt Mutti heute. 

Konkurrenz aus China

Und es stimmt, dass er sich nicht für den einfachen Weg entschieden hat. Denn der Tomatenmarkt mit einem Umsatz von zuletzt rund 190 Milliarden Dollar ist seit jeher umkämpft. In den neunziger Jahren stritten sich private Hersteller und Discounter über Preise, worunter vor allem Bauern und Erntehelfer litten. Heute ist Billigware aus China ein Problem. Dort werden rund zehnmal so viele Tomaten produziert wie in Südeuropa – auch wenn es dem Verbraucher auf dem Etikett anders suggeriert wird.

Bei Mutti steht nicht der Preis im Vordergrund und die Tomaten haben auch garantiert keinen weiten Weg. Sie werden schon kurz nach der Ernte weiterverarbeitet, damit der frische Geschmack der Tomaten auch in der Dose erhalten bleibt. „Die Kosten sind 13 Prozent höher als bei einer standardmäßigen Produktion in Norditalien“, sagt Francesco Godani, Manager für den Bereich Forschung und Entwicklung (F&E). Dafür seien mehr natürliche Stoffe und Zucker in den Tomaten enthalten.

Nachhaltigkeit ist der große Treiber für VeränderungFrancesco Mutti, CEO

Qualität zahlt sich aus

Ein Transportweg vom Feld bis zur Produktionsstätte beträgt bei Mutti maximal hundert Kilometer. So wird weniger CO2 ausgestoßen. Gemeinsam mit den Landwirten und der Organisation WWF arbeitet Mutti auch daran, Wasser auf den Feldern und später bei der Weiterverarbeitung einzusparen.

Insgesamt hat das Familienunternehmen 32 Millionen Euro in eine bessere Infrastruktur und eine bessere Bezahlung seiner Mitarbeiter investiert – mit Erfolg. Mutti hat das Vertrauen seiner Kunden gewonnen. Jährlich verkauft das Unternehmen nicht nur 580.000 Tonnen Tomaten, sondern konnte auch seinen Umsatz steigern. 2020 erwirtschaftete Mutti 465 Millionen Euro und zeigt damit, dass Qualität und Nachhaltigkeit wirtschaftlich erfolgreich sein können.

Für Frische und Geschmack ist es entscheidend, den Zeitraum zwischen Ernte und Verarbeitung so kurz wie möglich zu halten Francesco Godani, F&E Manager

CEO Francesco Mutti hat die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Unternehmen und die Gesellschaft im Allgemeinen schon lange erkannt. „Es ist das große Element von Wandel“, sagt er. „Nachhaltigkeit ist definitiv in unserer DNA. Mutti verändert sich seit langer Zeit.“ So wurde unter Francesco Mutti eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung gegründet und das Unternehmen versucht gemeinsam mit den Landwirten den Wasser- und Energieverbrauch zu reduzieren.

Aber für den Familienunternehmer ist auch klar, dass für eine langfristige Veränderung mehr passieren muss: „Als Gesellschaft sollten wir auf ganz andere Weise handeln.“

Über Mutti

Mutti wurde 1899 in Montechiarugolo in der italienischen Provinz Parma gegründet. Das Familienunternehmen produziert bereits in der vierten Generation Qualitätstomaten. Von Anfang an gehörte die Qualität zu den Grundwerten des Unternehmens. Die ausschließliche Herstellung von Tomatenprodukten ermöglichte es Mutti, sich auf eine einzige Frucht zu konzentrieren und über 120 Jahre Erfahrung zu sammeln. 

Alle Tomaten werden im Durchschnitt in einem Umkreis von 60 Meilen von den Fabriken angebaut und innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte verarbeitet. Das Mutti-Logo wurde 1911 eingetragen und zeigt zwei Löwen, die die erste Qualitätsauszeichnung von Mutti schützen.

Sonja Dammann

Wie gehen Tradition und mutige Erneuerung zusammen? Sonja interessiert sich besonders für Familien-Unternehmen, die eng verwurzelt sind in ihrer Region und mit ihren Produkten auf Nachhaltigkeit und Qualität setzen. Als begeisterter storyteller, Foodie und Mutter von drei Kindern hat sie sich mit besonderer Freude der Geschichte von Mutti Tomaten angenommen

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