„Wir installieren die größten Windturbinen, die es gibt“

Mit den größten Installationsschiffen der Welt treibt das luxemburgische Unternehmen Jan De Nul den Ausbau der Offshore-Windenergie voran. Manager Carl Heiremans spricht über mutige Investitionen, Europas Stärken im globalen Wettbewerb und die Bedeutung schnellerer Genehmigungen.

Europäischer Champion: Wind of Change mit Jan De Nul

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Offshore-Windenergie wird eine große Rolle im Energiemix der Zukunft spielen. Um den Wind auf See besser einfangen zu können, entstehen immer größere Windkraftanlagen. Manche sind bereits 260 Meter hoch und höher. Damit sind sie mehr als anderthalb Mal so hoch wie der Kölner Dom. Um die immer größeren Turbinen vor der Küste zu installieren, braucht es große Schiffe. Ein Unternehmen, das diese Entwicklung sehr früh vorausgesehen hat, ist der in Luxemburg ansässige Weltmarktführer Jan De Nul.

In den belgischen Büros des Unternehmens erklärt Manager Carl Heiremans, wie Jan De Nul entschied, in riesige Installationsschiffe zu investieren, warum es eine Stärke für das Unternehmen ist, in Europa zu sein und was er gerne in der EU ändern würde, um die Windenergie-Branche wettbewerbsfähiger zu machen.

Carl, die Konflikte im Nahen Osten haben vielen Europäern erneut ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vor Augen geführt. Sehen Sie darin Chancen für die Windenergie?

Diese Konflikte haben tatsächlich gezeigt, wie sehr die Welt noch immer von importierten fossilen Brennstoffen abhängt. Das sollte jedem politischen Entscheidungsträger zeigen, dass es super wichtig ist, selbst hergestellte, erneuerbare Energie zu produzieren. Mir ist letztlich egal, ob das Wind, Sonne oder sogar Kernenergie ist. Wenn wir Offshore-Windenergie zubauen, sind das Ausgaben für unserer eigene Wirtschaft. Jede zusätzliche Kapazität an erneuerbarer Energie macht uns weniger abhängig von importierten fossilen Brennstoffen und hilft uns in der nächsten fossilen Krise – und diese Krise wird kommen.

Jede zusätzliche Kapazität an erneuerbarer Energie macht uns weniger abhängig von importierten fossilen Brennstoffen und hilft uns in der nächsten fossilen Krise – und diese Krise wird kommen.

Bei Jan De Nul sprechen Sie oft über den Umstieg auf erneuerbare Energie. Welche Rolle kann eine Firma aus der maritimen Wirtschaft dabei spielen?

Als Auftragnehmer für Projekte auf See haben wir einen erheblichen Einfluss. Zum Beispiel unterstützen wir mit dem Bau von Offshore-Windparks die Energiewende. Wir verschiffen und installieren die größten Windturbinen, die es heute gibt. Zudem verlegen wir leistungsstarke Kabel auf dem Meeresgrund, um Windparks, aber auch Länder und Regionen miteinander zu verbinden. Das wird für die meisten Länder immer wichtiger. Denn es hilft, die natürlichen Schwankungen in der Stromerzeugung beim Umstellen auf erneuerbare Energien auszugleichen.

Im Laufe der Jahre sind Windturbinen deutlich gewachsen, und die Innovationszyklen in diesem Bereich sind kurz. Wie halten Sie da mit?

Das ist genau die Herausforderung. Wir investieren viel in immer größere Ausrüstung, die wirklich an der Grenze des heute technisch Möglichen ist. Und wir werden weiterhin in immer größere Installationsschiffe und natürlich unsere Mitarbeitenden investieren. In vielen Fällen entwickeln wir unsere Schiffe, bevor sie gebraucht werden. Wir betrachten den Markt und versuchen vorherzusagen, was in ein paar Jahren benötigt wird, und dann einfach loszulegen, sobald wir an eine Geschäftsmöglichkeit glauben.

In vielen Fällen entwickeln wir unsere Schiffe, bevor sie gebraucht werden.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen, wann Sie an eine Geschäftsmöglichkeit geglaubt haben, bevor sie tatsächlich da war?

Unser Vorgehen bei der Offshore-Windenergie könnte ein solches Beispiel sein. 2002 waren wir eines der ersten Unternehmen, das bereit war, einen Windpark auf See in Belgien zu bauen. Probleme mit Genehmigungen führten dazu, dass es nicht weiterging. Zehn Jahre später haben wir es wieder probiert und dann ging es wirklich schnell. Wir haben sehr bald gesehen, dass immer größere Installationsschiffe benötigt wurden, um mit den Markttrends Schritt zu halten. Und 2019 haben wir die beiden größten Installationsschiffe der Welt bestellt: die Voltaire und die Les Alizés.

Das Installationsschiff „Les Alizés“

Wie weit waren Sie damit der Zeit voraus?

Als wir diese Schiffe bestellten, waren die meisten unserer Konkurrenten wirklich überrascht über die Größe, für die wir uns entschieden haben. Selbst bis heute bestellt niemand etwas deutlich Größeres. Ein weiteres Beispiel, bei dem wir der Zeit voraus sind, ist die Kabelinstallation. Vor ein paar Jahren haben wir das größte Kabelinstallationsschiff bestellt – doppelt so groß wie unser nächster Konkurrent. Vorauszusagen, was in Zukunft benötigt wird, und entsprechend in der Gegenwart zu handeln, ist eine Sache, die uns als Unternehmen ausmacht.

Inwiefern ist der Sitz in Europa ein Vorteil für Ihr Unternehmen?

Europa war ein Pionier in der Offshore-Windenergie – und ist es immer noch. Wir haben einen einheitlichen Markt, so dass wir überall in der EU frei arbeiten können. Wir können Komponenten aus verschiedenen Ländern ohne Einschränkungen verwenden. Das ist ein großer Vorteil. In anderen Teilen der Welt haben Länder strenge Sabotagegesetze, was bedeutet, dass Sie nicht mit Schiffen in ihren Territorien arbeiten können. In Europa haben wir die Nordsee, den Ort, an dem die Offshore-Windenergie ihren Anfang nahm. Es gibt viel Platz auf See, der Wind bläst stark und die Kunden, die grünen Strom benötigen, sind in der Nähe. Hinzu kommt, dass die Lieferketten in Europa sehr gut und resilient sind.

Wir haben einen einheitlichen Markt, so dass wir überall in der EU frei arbeiten können. Wir können Komponenten aus verschiedenen Ländern ohne Einschränkungen verwenden. Das ist ein großer Vorteil.

Wenn Sie eine Sache in der EU ändern könnten, um den Windenergiesektor wettbewerbsfähiger zu machen: Was wäre das?

Ich würde definitiv sagen, dass Genehmigungen viel schneller erteilt werden müssen. Viele Projekte kommen nicht voran, weil zwischen der Ausschreibung und den endgültigen Entscheidungen zu viel Zeit vergeht. Und dann funktioniert der Businessplan manchmal nicht mehr. In der Europäischen Union erfordert der Bau von Infrastruktur in allen Branchen zu viele Genehmigungen. Hier schneidet Europa derzeit nicht gut ab.

Businesspläne, die nicht mehr aufgehen und die Kosten für Flächen sind zwei große Herausforderungen für die Branche. Was würde helfen, um mehr Projekte zu realisieren?

Europäische Politiker haben große Ziele für die Windenergie auf See ausgegeben. Die Nordseeländer der Hamburger Erklärung wollen ab 2030 jährlich 15 Gigawatt (GW) Offshore-Windenergie zubauen. In den letzten zehn Jahren sind in Europa durchschnittlich 3 GW pro Jahr hinzugekommen. Es ist also ein großer Anstieg nötig. Allerdings haben wir in den letzten Jahren mehrere Länder gesehen, in denen Auktionen für Offshore-Windenergie schiefgingen. Also weniger Projekte anstatt eines stetigen Wachstums. Um die hohen Ziele zu erreichen, müssen viele Akteure kräftig investieren. Und dafür brauchen sie eine verlässliche Positionierung von Politikern.

Um die hohen Ziele zu erreichen, müssen viele Akteure kräftig investieren. Und dafür brauchen sie eine verlässliche Positionierung von Politikern.
Das Installationsschiff Voltaire

Die Deutsche Bank und Jan De Nul

Jan De Nul, ein weltweit führendes Unternehmen für Baggerlösungen und Offshore-Energie mit Hauptsitz in Luxemburg, pflegt seit über einem Jahrzehnt eine starke Partnerschaft mit der Deutschen Bank Luxemburg. Angeführt von Ross Cloney, dem Leiter der Structure Transactions Group in der Investmentbank, hat diese dauerhafte Beziehung zu zahlreichen erfolgreichen Kooperationen geführt

Die Expertise der Deutschen Bank Luxemburg im Bereich strukturierte Finanzierungen hat mehrere Finanzierungsgeschäfte ermöglicht und Jan De Nuls Akquisitions- und Leasingtätigkeit für eine vielfältige Flotte von Bagger-, Kabelverlege- und Offshore-Windinstallationsschiffen unterstützt. Über die Finanzierung hinaus unterstützt die Deutsche Bank Jan De Nul mit einem globalen Transaktionsmanagement und weiteren maßgeschneiderten Dienstleistungen.

Über die Deutsche Bank und Europa

Europa ist mehr als ein Markt. Es ist ein Raum für Ideen, Wachstum und Zusammenarbeit.

Die Deutsche Bank zeigt, wo europäische Unternehmen schon heute Maßstäbe setzen – und wie Kapital, Expertise und Netzwerke helfen, Chancen über Grenzen hinweg zu nutzen.

Als globale Hausbank mit europäischen Wurzeln und einem internationalen Netzwerk verbinden wir Unternehmen und Investoren: von Europa in die Welt und von der Welt nach Europa.

Dieses Interview, das erstmals im Jahr 2024 veröffentlicht wurde, haben wir im Juli 2026 aktualisiert. 

Georg Berger

Georg Berger

… arbeitet bei der Deutschen Bank an internationalen Kommunikationsprojekten. Ihn interessiert, wie Europas Energie-Mix in Zukunft aussehen wird – und welche neuen Technologien dabei eine Schlüsselrolle spielen können.

 

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