„Wir brauchen eine grünere Wirtschaft“

Warum Verhaltensforscherin Jane Goodall einen Zusammenhang zwischen Klimakrise und Pandemie sieht. Wie Unternehmen wie die Deutsche Bank den respektvollen Umgang mit der Natur fördern können. Und welchen Rat ihr ihre Mutter mit 10 Jahren gab.

Sie sind die führende Autorität für Afrika und Primaten. Doch das Jane Goodall Institute engagiert sich auch für den Schutz der Ozeane, um Kindern den Naturschutz näher zu bringen. Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Schutz an Land und im Meer?

Wir erleben gerade zum sechsten Mal im Verlauf der Erdgeschichte, dass Pflanzen- und Tierarten in großem Maße aussterben - dieses Mal verursacht durch menschliche Aktivitäten. Wir sind Teil der natürlichen Welt und nicht von ihr getrennt. Und wir sind von ihr abhängig, mit Blick auf Nahrung und Wasser – ja, letztlich in jeder Hinsicht. Aber was wir brauchen, sind gesunde Ökosysteme, ob das nun Wälder, Ozeane, Feuchtgebiete, Grasland oder Wüsten sind. Während meiner Jahre im Regenwald, als ich das Leben der Schimpansen erforscht habe, habe ich auch das gelernt: dass alle Lebensformen verflochten sind, dass jede kleine Spezies eine Rolle spielt für das, was die Wissenschaft Biodiversität nennt – für mich ein wunderbarer Wandteppich des Lebens. Um eine Zukunft für unsere Enkelkinder und die ihren zu sichern, müssen wir daran arbeiten, alle Ökosysteme zu retten, die zusammen einen gesunden Planeten bilden.

Was wir brauchen, sind gesunde Ökosysteme, ob das nun Wälder, Ozeane, Feuchtgebiete, Grasland oder Wüsten sind.Dr. Goodall

Das Pandemie-Jahr scheint auch das Jahr zu sein, in dem wir endlich angefangen haben, ernsthaft über Klimawandel und Nachhaltigkeit nachzudenken. Was sagt es über die Menschen aus, dass es eine Krise braucht, um sie zum Handeln zu motivieren?

Leider ist für einige eine materialistische Lebensweise einfach normal. Es braucht eine echte Katastrophe, um die Menschen aus dieser Denkweise aufzurütteln. Hoffentlich hat die Pandemie genug Menschen aufgeweckt, die verstehen, dass wir uns die Pandemie selbst eingebrockt haben, indem wir Umwelt und Tiere völlig missachtet haben. Meine Befürchtung: Wer nur an Geld und Macht denkt, wird auch weiterhin den kurzfristigen Gewinn über den Schutz der Umwelt stellen. Viele haben bereits zum "business as usual" zurückgefunden.

Wie sollten entwickelte Volkswirtschaften wie Europa oder die USA mit schnell wachsenden Ländern in Asien wie China und Indien zusammenarbeiten, um den Umweltschutz zu beschleunigen?

Ich halte es für dringend notwendig, dass die verschiedenen Volkswirtschaften zusammenkommen, um einen Weg in die Zukunft zu finden, der einen neuen und respektvollen Umgang mit der Natur und den Tieren beinhaltet, und um irgendwie eine neue, nachhaltigere „grünere“ Wirtschaft zu schaffen. Eine, die nicht auf fossile Brennstoffe oder industrielle Landwirtschaft angewiesen ist. In der ökologisch nachhaltige Unternehmen – wie Solar-, Wind- oder Gezeitenenergie – und ökologisch nachhaltige Formen der Landwirtschaft – wie Permakultur, regenerative Landwirtschaft, kleinbäuerliche Familienbetriebe und so weiter – staatliche Subventionen erhalten und nicht Öl und Gas und industrielle Agrarwirtschaft.

Welche Rolle würden Sie sich von globalen Institutionen wie der Deutschen Bank bei der Förderung von Nachhaltigkeit wünschen?

Globale Institutionen wie die Deutsche Bank können viele positive Beiträge für die Gesellschaft leisten. Sie können ihre Kunden dazu ermutigen, in nachhaltige Unternehmen zu investieren, nachhaltige Praktiken innerhalb ihrer Organisationen einzuführen und nachhaltige Technologien zu unterstützen. Auch die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen ist ein guter Anfang.

Was sagen Sie Menschen, die dem Umweltschutz und der Wissenschaft zum Klimawandel zynisch oder ablehnend gegenüberstehen?

Ich versuche, mit den Menschen als Individuen umzugehen. Ich höre ihnen zu und versuche zu verstehen, warum sie so denken, wie sie denken. Ich glaube, dass Veränderungen nur von innen kommen können – sonst sind es nur Lippenbekenntnisse. Ich erzähle Geschichten, finde eine, von der ich hoffe, dass sie das Herz desjenigen erreicht, mit dem ich spreche.

Welchen Rat geben Sie jungen Frauen mit auf ihrem Weg?

Ich verbringe sehr viel Zeit damit, mit jungen Frauen zu sprechen. Ich erzähle ihnen, was meine Mutter zu mir gesagt hat. Es war, als ich 10 Jahre alt war und davon träumte, nach Afrika zu gehen, um mit wilden Tieren zu leben und Bücher über sie zu schreiben. Das war 1944 und es war unerhört für ein einfaches Mädchen, so etwas zu tun. Außerdem hatten wir wenig Geld, Afrika galt als gefährlicher Ort. Alle lachten und sagten mir, ich solle von etwas träumen, was ich tatsächlich erreichen könnte. Aber meine Mutter sagte mir, wenn ich so etwas wirklich machen wolle, müsse ich sehr hart arbeiten, jede Gelegenheit nutzen. Und wenn ich nicht aufgäbe, würde ich vielleicht einen Weg finden.

Goodalls Hoffnung: Vier Gründe für eine aussichtsreiche Zukunft

1. Die Energie und Entschlossenheit junger Menschen: Sobald sie ein Problem verstehen und wir sie befähigen, etwas zu unternehmen, sind sie voller Leidenschaft. 2. Unser unglaublicher Intellekt: Es ist NICHT intelligent, unsere einzige Heimat zu zerstören! Wir sind dabei, innovative Lösungen zu entwickeln. Wir beginnen, den Schaden, den wir angerichtet haben, zu beheben sowie den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt zu verlangsamen. 3. Die Widerstandskraft der Natur: Sie kann sich sogar Gebiete, die wir zerstört haben, zurückerobern – wenn man ihr Zeit und Hilfe gibt. 4. Der unbezähmbare menschliche Geist: Menschen, die das scheinbar Unmögliche anpacken und nicht aufgeben und oft erfolgreich sind. Erstaunliche Menschen auf der ganzen Welt schaffen erstaunliche Projekte, um die Natur zu heilen.

Aktiv werden

„Das Roots & Shoots-Programm, das ich 1991 ins Leben gerufen habe, hat die Botschaft, dass jeder von uns jeden Tag einen Unterschied macht und wir selbst entscheiden können, wie groß dieser Unterschied ist. Jede Gruppe wählt drei Projekte aus – eines um Menschen zu helfen, eines um Tieren zu helfen, eines um der Umwelt zu helfen, da alles miteinander verbunden ist. Während Sie diese Worte lesen, verändern Tausende von Jugendgruppen vom Kindergarten bis zur Universität durch ihre Aktionen die Welt.

Ein weiteres gutes Beispiel ist das von der Deutschen Bank unterstützte Projekt Oceans are Us in Taiwan!“

Über die Bildungsinitiative „Oceans Are Us“

Die Deutsche Bank und das Jane Goodall Institute haben 2020 in Taiwan die Bildungsinitiative „Oceans Are Us“ ins Leben gerufen. Die Initiative konzentriert sich auf die enge Zusammenarbeit mit identifizierten Partnerschulen entlang der Nordküste Taiwans, um das dringende Problem der Meeresverschmutzung effektiv zu bekämpfen, da jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik ins Meer geworfen werden. Durch Sensibilisierung und inspirierendes Handeln bei Schulkindern möchte „Oceans Are Us“ eine neue Generation umweltbewusster Jugendlicher fördern, die die Herausforderungen und Folgen der Meeresverschmutzung verstehen und motiviert sind, sich damit auseinanderzusetzen.

Empfohlene Inhalte

„Wasser schützen heißt nachhaltig wirtschaften“ „Wasser schützen heißt nachhaltig wirtschaften“

Warum wir mit Wasser sorgsam umgehen müssen. Und wie die Industrie zum Schutz dieser wertvollen Ressource und einer nachhaltigen Entwicklung der Märkte beitragen kann. Ein Gespräch mit dem US-Wasser-Ökonomen Joseph Kane von der Brookings Institution.

„Wasser schützen heißt nachhaltig wirtschaften“ Alles über die größten Wasserrisiken

Warum uns gesunde Meere 175 Milliarden US-Dollar im Jahr kosten (und warum dies ein „Schnäppchen“ ist) Warum uns gesunde Meere 175 Milliarden US-Dollar im Jahr kosten

2015 haben die Vereinten Nationen das Nachhaltigkeitsziel 14 zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Ozeane beschlossen. Doch heute sind die Meere in keinem guten Zustand. Was können private Investitionen bewirken – und welche Rolle können Banken spielen?

Warum uns gesunde Meere 175 Milliarden US-Dollar im Jahr kosten (und warum dies ein „Schnäppchen“ ist) Bitte eintauchen!

What Next: Unsere Themen