Hauke Burkhardt lächelnd

„Die Modernisierungswelle ist gut angelaufen“

Infrastruktur, Sicherheit, Technologie: Europa muss gewaltig investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Deutsche-Bank-Experte Hauke Burkhardt erläutert, wie das gelingen kann – wenn öffentliche Hand und private Investoren an einem Strang ziehen.

Von Verteidigung über Energie bis künstliche Intelligenz: Europa muss enorme Summen investieren, um international souverän und wettbewerbsfähig zu bleiben. Deutschland als größter Volkwirtschaft kommt dabei eine besonders wichtige Rolle zu. Bei der Deutschen Bank leitet Hauke Burkhardt das Team, das Bund, öffentlichen Sektor und Förderbanken berät und betreut (Head of Bund and Public Sector Coverage & Advisory). Im Interview spricht er darüber, wie es beim beschlossenen Sondervermögen von einer halben Billion Euro vorangeht – und warum privates Kapital unverzichtbar ist, um Europa fit für die Zukunft zu machen.

Hauke, die Bundesregierung hat seit ihrem Antritt im Frühjahr 2025 gewaltige Investitionen beschlossen, um Deutschland zur Lokomotive für Europas Wettbewerbsfähigkeit zu machen. Wie geht es damit voran?

Es bewegt sich was - allerdings nicht überall in gleichem Maß und Tempo. Im Bereich Verteidigung, für den die Regierung Ausnahmen von der Schuldenbremse ermöglicht hat, tut sich bereits einiges. Beim Sondervermögen für die Infrastruktur ist die Situation differenzierter.

Inwiefern?

Von den insgesamt 500 Milliarden Euro gibt 300 Milliarden Euro der Bund aus, 100 Milliarden gehen an die Länder und die Kommunen und weitere 100 Milliarden an den Klima- und Transformationsfonds. Beim Bund ist schon einiges abgeflossen. Auf den regionalen Ebenen dauerte es etwas länger, die gesetzlichen Grundlagen zu legen. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass sich die Investitionen auch dort bald beschleunigen – wenn es beim Planen und Genehmigen noch besser und schneller läuft.

Viele Fachleute, darunter Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, betonen, dass das Volumen der Investitionen durch privates Kapital vervielfacht werden könnte, im Fachjargon: gehebelt. Was heißt das konkret?

500 Milliarden Euro klingt erst mal nach sehr viel, wird aber trotzdem bei weitem nicht ausreichen, um Deutschland zu modernisieren. Das geht nur mit zusätzlichem Kapital. Es gibt verschiedene Wege, wie öffentliche Hand und private Investoren gemeinsam Projekte finanzieren können – und alle haben ihre Stärken, je nachdem, worum es konkret geht.

Es gibt verschiedene Wege, wie öffentliche Hand und private Investoren gemeinsam Projekte finanzieren können – und alle haben ihre Stärken, je nachdem, worum es konkret geht.

Zum Beispiel?

Bei „First-Loss“-Konstruktionen kann der Staat einen ersten Teil übernehmen, wenn Verluste anfallen. Das bietet sich besonders dann an, wenn es um neue Technologien und Märkte geht – und sich die Nutzung oder Erfolgschancen noch schwer abschätzen lassen. Damit sich etwa Investoren und Banken überhaupt an solchen Projekten beteiligen können, federt der Staat einen Teil der Risiken ab.

Und in bereits etablierteren Bereichen?

Für Großprojekte wie den Bau von Straßen bieten sich eher klassische Public Private Partnerships an: Hier übernehmen private Anbieter in der Regel den Bau und Betrieb des Projekts – und der Staat zahlt dafür langfristig regelmäßige Entgelte, im Grunde wie eine Miete. Auf diese Weise muss die öffentliche Hand nicht gleich alles Kapital auf einmal bereitstellen und behält dadurch größere Spielräume.

Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Formen, wie der Staat für private Investoren Sicherheit schafft – zum Beispiel, indem er über „Contracts for Difference“ eine gewisse Abnahmemenge oder einen Preis garantiert.

Wie kann Europa die Investitionen in seine Zukunft finanzieren? Darauf kommt es an:

  1. Ohne privates Kapital geht es nicht: Öffentliche Hand und Investoren müssen eng zusammenarbeiten, um die gewaltigen Investitionen in Energieversorgung, Verteidigung und Technologie zu stemmen.
  2. Die richtige Auswahl zählt: Von Public Private Partnerships bis First-Loss-Konzepte – es gibt verschiedene Wege, gemeinsam Projekte zu finanzieren. Aber nicht alle passen zu jedem Projekt.
  3. Offenheit von Anfang an: Um Missverständnisse und Spekulationen zu vermeiden, sollten Kosten und Meilensteine der Kooperation transparent sein.

Experten schätzen die Hebelwirkung durch privates Kapital auf das Vier- bis Fünffache – das hieße bei einem 500-Milliarden-Programm 2 bis 2,5 Billionen Euro. Ist das realistisch?

Wie hoch der Hebel am Ende ist, hängt stark von den konkreten Instrumenten ab. Manche Abnahme-Garantien machen eine Investition überhaupt erst möglich, bei anderen Konstruktionen ist die Hebelwirkung geringer. Unter dem Strich ist die Größenordnung aber realistisch. Eins ist dabei noch wichtig: Neben der Hebelwirkung sendet der Staat mit diesen Instrumenten auch ein starkes Signal, dass er an die jeweiligen Projekte glaubt.

Kritiker bemängeln, dass sich Projekte verteuern, wenn private Investoren beteiligt sind. Oder salopp ausgedrückt: Dass der Staat über den Tisch gezogen wird. Was entgegnest du dem?

Man muss den ganzen Lebenszyklus eines Projekts im Auge behalten. Selbst wenn ein Projekt zu Beginn teurer wirkt, ist es auf die längere Sicht für die öffentliche Hand oft günstiger. Der Grund: Private Anbieter haben eine große Expertise, Projekte zu planen, umzusetzen, zu betreiben und Instand zu halten. Und, um es noch einmal klar zu sagen: Viele Projekte würden ohne privates Kapital gar nicht erst zustande kommen, weil dem Staat die Mittel und Kapazitäten fehlen. Um Missverständnisse und Spekulationen zu vermeiden, sollten Kosten und Meilensteine des Projekts aber von Anfang an transparent sein.

Viele Projekte würden ohne privates Kapital gar nicht erst zustande kommen, weil dem Staat die Mittel und Kapazitäten fehlen.

Lass uns zum Schluss den Blick etwas weiten: Wie kommt Europa insgesamt beim Modernisieren voran?

Die Modernisierungswelle in Europa ist insgesamt gut angelaufen – und allen ist klar, dass Europa ohne erhebliche Investitionen nicht wettbewerbsfähig bleiben kann. Die Liste Mut machender Projekte ist lang: von erneuerbaren Energien in Spanien über Offshore-Windkraft und Wärmeinfrastruktur in Dänemark bis zu der Tatsache, dass in den Niederlanden der Pensionsfonds Investitionen in Straßen und Brücken mitfinanziert. Was wir noch besser machen können: gemeinsam handeln, zum Beispiel mit Blick auf eine europäische Energie-Strategie, die noch mehr auf die Stärken der einzelnen Regionen achtet.

Wie die Deutsche Bank private Investoren und öffentliche Hand verbindet

Die Deutsche Bank hilft mit ihrem globalen Netzwerk, Kontakte zu Unternehmen und internationalen Investoren zu knüpfen, die in Deutschland investieren möchten. Sie berät die öffentlichen Auftraggeber, stellt ihre Finanzierungs-Expertise zur Verfügung und ermöglicht den Zugang zum Kapitalmarkt. Die Bank bündelt dabei ihre Kräfte über alle Bereiche hinweg: von der Unternehmens- und der Investmentbank bis zum Geschäft mit hochvermögenden Kunden, die nach Anlagemöglichkeiten suchen.

Über die Deutsche Bank und Europa

Europa ist mehr als ein Markt. Es ist ein Raum für Ideen, Wachstum und Zusammenarbeit.

Die Deutsche Bank zeigt, wo europäische Unternehmen schon heute Maßstäbe setzen – und wie Kapital, Expertise und Netzwerke helfen, Chancen über Grenzen hinweg zu nutzen.

Als globale Hausbank mit europäischen Wurzeln und einem internationalen Netzwerk verbinden wir Unternehmen und Investoren: von Europa in die Welt und von der Welt nach Europa.

Über Hauke Burkhardt

Hauke leitet bei der Deutschen Bank das Team Bund and Public Sector Coverage & Advisory, das die öffentliche Hand und Förderbanken in Deutschland bei Finanzierungen berät und betreut. Hauke hat an der dualen Hochschule Baden-Württemberg Betriebswirtschaft studiert und arbeitet seit 2007 bei der Deutschen Bank. Seither hatte er verschiedene Führungspositionen in der Unternehmensbank inne – unter anderem als Leiter Handelsfinanzierung & Kredite für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie als Leiter Unternehmens- und Immobilienfinanzierung.

Hauke Burkhardt bei einer Rede

Diese Seite wurde im September 2026 veröffentlicht.

Claudio De Luca

Claudio De Luca

… hat zwei minderjährige Kinder und beschäftigt sich auch deshalb damit, wie sich die Zukunft Europas sichern und gestalten lässt. Als Volkswirt hegt er Sympathien dafür, privates Kapital bei der Transformation des Kontinents einzubinden.

 

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