News 7. Oktober 2019

National wertvolles Kulturgut: das Archiv der Deutschen Bank

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat Archivbestände des Historischen Instituts der Deutschen Bank in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts aufgenommen. Die Dokumente stammen aus der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Das hessische Verzeichnis national wertvollen Kulturguts ist um einen Eintrag reicher: Archivbestände aus dem Historischen Institut der Deutschen Bank zählen jetzt dazu. „Die Dokumente ermöglichen einen umfassenden Einblick in die fast hundertfünfzigjährige Geschichte eines der wichtigsten Bankinstitute der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Vorgängerstaaten“, so Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn. Die Deutsche Bank hatte anlässlich ihres im kommenden Jahr anstehenden 150-jährigen Jubiläums beantragt, dass ihr Archiv in das prestigeträchtige Verzeichnis national wertvollen Kulturguts aufgenommen wird. Das Verzeichnis stellt Kulturgüter unter einen besonderen Schutz – zum Beispiel vor Zerstörung, Beschädigung und Verlagerung ins Ausland.

Mehr als sechs Regalkilometer umfassen die Archivbestände des Historischen Instituts

Das seit 1961 bestehende Historische Institut der Deutschen Bank ist das älteste professionelle Unternehmensarchiv in der deutschen Finanzwirtschaft. Es umfasst mehr als sechs Regalkilometer an Geschäfts- und Personalakten, Fotos, Filmen, Werbemitteln und Wertpapieren der Deutschen Bank und ihrer Vorgängerinstitute. Darunter befinden sich so bedeutende Banken wie der A. Schaaffhausen’sche Bankverein in Köln (gegründet 1848 als erste Aktienbank in Preußen), die Norddeutsche Bank in Hamburg (gegründet 1856) und die insbesondere in Asien bzw. Südamerika tätigen Institute Deutsch-Asiatische Bank (gegr. 1889) und Deutsche Ueberseeische Bank (gegr. 1886).

„Viele unserer Dokumente sind von herausragender Bedeutung sowohl für die Geschichte der Wirtschaft als auch für die Geschichte Deutschlands und seiner wichtigsten Außenhandelspartner“, erklärt Martin Müller, Leiter des Historischen Instituts. Besonders deutlich wird dies an dem Finanzierungprojekt im Kaiserreich, das bis heute am stärksten im kollektiven Gedächtnis verankert ist – der Bau der sogenannten Bagdadbahn.

Fahrkarte der Bagdadbahn für Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Arthur von Gwinner von 1907

Abs‘ politischer Einfluss

Von den Aktenbeständen der Nachkriegszeit, die sich im Historischen Institut der Deutschen Bank befinden, kommt insbesondere dem Büronachlass von Hermann Josef Abs (Vorstandsmitglied 1938-1967, Vorstandssprecher 1957-1967) große Bedeutung für die Geschichtswissenschaft zu. Abs war nicht nur enger Berater von Bundeskanzler Adenauer, er verhandelte im Auftrag der Bundesrepublik und der westdeutschen Wirtschaft das Londoner Schuldenabkommen und nahm eine Schlüsselrolle in der deutschen Wirtschaft der 1950er bis 1970er Jahre ein.

Schreiben von Bundeskanzler Adenauer an Vorstandssprecher Hermann J. Abs vom 5. November 1957

Alle Archivunterlagen, die in der Zeit von 1848 bis einschließlich 1945 entstanden sind, stehen zur öffentlichen Benutzung für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung. Schrittweise werden auch Akten aus der Nachkriegszeit freigegeben, so etwa der geschäftliche Nachlass von Hermann J. Abs.

Jedes Bundesland hat sein eigenes Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes, in dem es besonders schützenswerte Kulturgüter aufführt. Im hessischen Verzeichnis stehen zum Beispiel weitere historische Firmenarchive, etwa von Merck und Hoechst, sowie Nachlässe und Briefsammlungen des Freien Deutschen Hochstifts mit handschriftlichen Aufzeichnungen von Johann Wolfgang von Goethe. Auch der weltweit einzigartige Fürst vom Glauberg und der in Waldgirmes gefundene bronzene Pferdekopf, der über die zivile Besiedelung Germaniens durch die Römer Aufschluss gibt, stehen auf der Liste.

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