Kann künstliche Intelligenz Vertrauen schaffen?

Das in Kalifornien ansässige Start-up Clearspeed arbeitet mit Sprachanalysen, um Sicherheits- und Betrugsrisiken zu erkennen. Solche Technologien haben das Potenzial, Vertrauen zu schaffen, doch es gibt auch Bedenken.

In der heutigen, immer komplexer werdenden Welt ist es für den Einzelnen schier unmöglich, alle Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wir müssen uns darauf verlassen, dass Aussagen stimmen. Vertrauen ist zu einem unersetzlichen Gut geworden.

Neue Tools, die auf künstlicher Intelligenz basieren, sollen helfen, dieses Vertrauen herzustellen. An der Spitze der Entwicklung steht das US-amerikanische Start-up Clearspeed. Es hat ehrgeizige Ziele: Menschenrechtsverletzungen verhindern, gegen Wilderei kämpfen, Betrug bei Versicherungsansprüchen erkennen, kriminelles Verhalten in Unternehmen verhindern und so insgesamt zu einer sichereren Welt beitragen.

Clearspeed nutzt dafür Algorithmen, die anhand der Stimme eines Menschen Betrugs- und Sicherheitsrisiken bewerten. Manche sehen hier Ähnlichkeiten zu einem Lügendetektor, doch das ist nicht der Fall: So besteht der Zweck der KI-basierten Technologie nicht darin, Täuschungen zu erkennen - Clearspeed ist vielmehr ein Tool zur Risikobewertung, das sich auf Betrug konzentriert und den Endnutzern Ergebnisse auf einer Skala von geringem bis hohem Risiko liefert.

Risiko ist nachweisbar und messbar in unseren Stimmen

Versicherungsunternehmen sind sehr an der Technologie von Clearspeed interessiert. Sie nutzen sie zum Beispiel, wenn sie das Betrugsrisiko bei einem Schadensfall untersuchen. Dabei wird der Versicherte von einem Computerprogramm angerufen und durch einfache Ja- oder Nein-Fragen navigiert.

Clearspeed-Risiko

„Wenn jemand eine Frage mit Ja oder Nein beantwortet, sind die universellen Risikomerkmale nicht vorhanden“, sagt Alex Martin, CEO von Clearspeed. „Wenn jemand aber ungenau antwortet, kommt es zu einer neuro-physiologischen Reaktion, die sich in der Stimme niederschlägt. Diese signalisiert ein Risiko.“

Die Software von Clearspeed prüft dabei nicht nur, ob ein Betrugsrisiko besteht, sie bewertet auch auf einer Skala, wie hoch das Risiko ist. Fälle mit niedrigem Risiko können schnell abgearbeitet werden, Fälle mit hohem Risiko bedürfen weiterer Untersuchungen. So hilft Clearspeed Unternehmen, ihre Ressourcen effizienter einzusetzen.

Clearspeed-Prozess

Wenn in einer Antwort ein hohes Risiko festgestellt wird, kommen die Mitarbeitenden der Versicherungsgesellschaft zum Zuge. „Wenn Clearspeed bei einem Antrag ein hohes Betrugsrisiko identifiziert, heißt das niemals, dass der Antrag dann abgelehnt wird - eine Bewertung mit niedrigem Risiko kann jedoch dazu führen, dass ein Antrag direkt zur Zahlung weitergeleitet wird. Wir würden niemals empfehlen, allein aufgrund unserer Risikobewertung Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Martin.

Versicherungsgesellschaften und Behörden sind die Hauptnutzer der Clearspeed-Technologie. Aber auch Organisationen, die sich für den Schutz von Menschenrechten und Wildtieren einsetzen, nutzen die neue Methode der Risikobewertung.

Wir würden niemals empfehlen, allein aufgrund unserer Risikobewertung Maßnahmen zu ergreifen.
Alex Martin, CEO Clearspeed

Ein Beispiel aus diesem Bereich sind die Uganda Wildlife Authority und der Rhino Fund Uganda: Mehr als 600 Wildhüter und Rekruten wurden am Telefon befragt, ob sie sich an Wilderei beteiligt hatten. Das Ergebnis war eine differenzierte Risikoanalyse für jede Person.

Transparenz und Datenschutz: Clearspeed hat einen neuen Ansatz

Die Analyse von etwas so Persönlichem wie der Stimme ruft bei vielen Menschen Bedenken hervor. Für Martin sind drei Aspekte entscheidend: „Vor einem Interview werden die Kunden um ihre Zustimmung gebeten. Mit unserer Methode werden Fälle von Menschen, die keinen Betrug begehen, schnell abgearbeitet - es ist ein erster Weg, um die berechtigten Ansprüche zu beschleunigen“, sagt er. „Außerdem bleiben alle persönlichen Daten in den Händen des Kunden und unsere Analysen werden anonym durchgeführt.“

Martin betont nochmals, dass die KI-basierte Technologie selbst keine Entscheidungen treffe. „Die Technologie sortiert die Antworten lediglich nach hohem oder niedrigem Risiko“, sagt Martin. „Jeder Fall mit hohem Risiko wird dann von einem menschlichen Experten bearbeitet. Schadensfälle mit geringem Risiko werden jedoch sofort und schnell bearbeitet.“

Alle persönlichen Daten bleiben in den Händen des Kunden, unsere Analysen werden anonym durchgeführt.
Alex Martin, CEO Clearspeed

Martin sieht ein enormes Potenzial für die Technologie in den nächsten Jahren. Letztes Jahr dauerte es noch 24 Stunden, bis die Antworten analysiert waren. Weiterentwicklungen, die in diesem Jahr eingeführt werden, sollen eine Analyse nahezu in Echtzeit möglich machen. Im nächsten Schritt soll die Technologie Kunden für mobile Anwendungen bereitgestellt und in bestehende Plattformen integriert werden. Martin ist zuversichtlich: „Wir werden unsere Kunden in die Lage versetzen, automatisierte Risikobewertungen auf Abruf zu liefern – und so unseren Kunden helfen, Vertrauen in großem Umfang aufzubauen.“

Über Clearspeed

Clearspeed liefert zurzeit die schnellste und genaueste Methode zur Risiko-Bewertung. Führenden Unternehmen aus dem Versicherungswesen, der öffentlichen Verwaltung und vielen anderen Bereichen ermöglicht diese schnelle Risikoidentifizierung eine effiziente und gezielte Nachverfolgung.

Die KI-gestützte Technologie identifiziert Betrugsversuche, die von herkömmlichen Systemen oft übersehen werden. Dabei wird die übergroße Anzahl von Forderungen mit beispielloser Geschwindigkeit direkt weitergeleitet. Das rasche Erkennen von Fällen mit hohen Risiken, ermöglicht einen effizienten Umgang damit.

Victoria Robertz

... ist auch in digitalen Zeiten noch gerne analog unterwegs und findet, dass gerade Unberechenbarkeiten das Leben spannend machen. Wie Künstliche Intelligenz mit diesen umgeht, fasziniert sie. Doch sie fragt sich: Wie können wir sicherstellen, dass KI auch ethische Aspekte berücksichtigt?

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