Vom Orbit zur Wall Street: Wie Klimadaten Menschen schützen – und Märkte bewegen
Satelliten können aufspüren, wo Treibhausgase entstehen und wo Naturkatastrophen sich abzeichnen. Dieses Wissen kann Leben retten – und es hilft Banken, Klimarisiken zu bewerten und zu steuern.
Satelliten über Afrika retteten Leben: Als Zyklon Freddy im Frühjahr 2023 über das südöstliche Afrika fegte, traf er Malawi am härtesten. Innerhalb von nur sechs Tagen fielen dort Regenmengen, die sonst in einem halben Jahr zusammenkommen. Die anschließenden Überschwemmungen und Schlammlawinen forderten über 1.500 Menschenleben. In Mosambik und Madagaskar, die ebenfalls betroffen waren, konnten viele Menschenleben gerettet werden – maßgeblich durch rechtzeitige Warnungen, die auf Satellitendaten basierten.
Ereignisse wie dieses verdeutlichen, wie Daten aus dem All dazu beitragen können, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

Von einem “Low Earth Orbit” (kurz “LEO”) spricht man, wenn sich der Satellit auf einer niedrigen Erdumlaufbahn bewegt, etwa auf einer Höhe von 200 bis 2000 Kilometern.
Der Anstieg von Treibhausgasen wie CO₂, CH₄ und NO₂ gilt als Haupttreiber des Klimawandels. Diese Treibhausgase sind in der richtigen Menge unerlässlich und bilden eine „Decke“, die unseren Planeten warm genug hält, um Leben zu ermöglichen.
Eine starke Veränderung kann jedoch das empfindliche atmosphärische Gleichgewicht stören, und eine Zunahme der wärmespeichernden Gase in der Luft macht unsere Erde heißer.
Satellitengestützte Überwachung: Frühwarnsignale für Naturkatastrophen
Die Überwachung der Treibhausgaskonzentrationen und anderer atmosphärischer Variablen aus dem All ermöglicht es, Frühwarnsignale für Naturkatastrophen frühzeitig zu erkennen. Das kann entscheidend sein, um Evakuierungen einzuleiten, Leben zu retten, Infrastrukturen zu schützen – zum Beispiel bei der Flugsicherung oder dem Gütertransport – und wirtschaftliche Schäden zu minimieren. Angesichts der Prognose, dass die Schäden durch Naturkatastrophen bis 2040 um 60 Prozent steigen könnten, gewinnen verbesserte satellitengestützte Warnsysteme also weiter an Bedeutung.
Neueste makroökonomische Untersuchungen zeigen, dass der Klimawandel erhebliche finanzielle Risiken birgt: Jede zusätzliche Erwärmung um ein Grad Celsius könnte das globale BIP um ein bis drei Prozent verringern – beispielsweise weil Dürren die Ernteerträge schmälern, weil die Gesundheit der Menschen leidet, die Sterblichkeit steigt, die Arbeitsproduktivität wegen Hitzewellen sinkt und der Meeresspiegel steigt – was zu wiederum zu Überschwemmungen führt. Die Veränderungen betreffen alle Bereiche unseres Lebens.
Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken in der EU haben daher begonnen, harmonisierte Indikatoren zur klimabezogenen Analyse zu entwickeln. Die EZB berücksichtigt inzwischen außerdem Klimafaktoren bei Sicherheiten, um finanzielle Risiken durch den Klimawandel besser zu steuern.

Eine Bodenstation ist eine terrestrische Funkstation, die für die Telekommunikation mit Raumfahrzeugen oder den Empfang von Radiowellen von Radioquellen aus dem All ausgelegt ist.
Gute Daten, gutes Risikomanagement
Finanzinstitute benötigen verlässliche Daten, um Klimarisiken möglichst treffend zu bewerten und angemessen zu managen. Die satellitengestützte Überwachung von Treibhausgasen liefert hierfür eine essenzielle Grundlage.
Ein zentrales Element der europäischen CO₂-Überwachung ist die Copernicus-Mission CO2M (Copernicus Anthropogenic Carbon Dioxide Monitoring Constellation), die 2026 starten soll. Klimaveränderungen können laut EUMETSAT (Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) Extremwetter auslösen: Starkregen, Sturzfluten, tropische Stürme, Extremwinde, Dürren und Flächenbrände. Die Identifikation von Treibhausgasen hilft, frühzeitig zu erkennen, wo klimabedingte Extremwetter zuschlagen.

Dürren gelten als tödlichste aller Naturkatastrophen.

Extreme Winde können bis zu 90 km/h schnell sein und den Verkehr sowie die Stromnetze gefährden.

Starkregen ist sowohl eine Folge als auch ein Verstärker des Klimawandels.

Tropische Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 120 km/h oder mehr verursachen bis zu 180 Milliarden US-Dollar Schäden pro Jahr.

Sturzfluten sind jährlich für ca 5000 Todesopfer und Schäden von 50 Milliarden US-Dollar verantwortlich.

Waldbrände verschärfen die Klimakrise durch einen Rückkopplungseffekt.
Beispiele aus der Praxis: Wie retten Satellitendaten Leben und Existenzen?
Satelliten, die Treibhausgase und Wettervariablen überwachen, liefern eine umfassende Sicht auf das Klimasystem als Ganzes und helfen, extreme Wetterereignisse frühzeitig zu erkennen. Das trägt zu einem besseren Katastrophenschutz bei.
Die folgenden drei Fallbeispiele zeigen, warum es sinnvoll ist, in das Aufspüren von Treibhausgasemissionen zu investieren.
Bessere Kommunikation rettet Leben
Im Juni 2024 wurde Abidjan von extremen Regenfällen getroffen. Das Wasser überschwemmte das Land, löste Erdrutsche aus, die ganze Straßen und Brücken wegrissen und Dörfer dem Erdboden gleichmachten. 24 Menschen haben das nicht überlebt. Eine schreckliche Bilanz. Dennoch hätten die Verluste laut Daouda Konaté, Direktor des Nationalen Meteorologischen Dienstes der Elfenbeinküste und Vizepräsident der Welt-Wetter-Organisation, weitaus gravierender ausfallen können, wenn man nicht schon über zehn Jahre hinweg Frühwarnsysteme aufgebaut hätte.
Viel höhere Opferzahlen verzeichnete Malawi im Frühjahr 2023: über 1.000 Tote und 800.000 Obdachlose durch den Hurrikan Freddy, der den Süden des Landes verwüstet hatte – ohne Vorwarnung.
Warum konnten sich die Menschen im Großraum Abidjan so viel besser schützen? Sobald Starkregen drohte, wurden sie gewarnt und die Regierung koordinierte Maßnahmen frühzeitig, beispielsweise indem sie Menschen aufrief, Risikogebiete vorübergehend zu verlassen.
Mehr Vorbereitungszeit schützt Existenzen
Im April 1952 zog nördlich von Island eine Wetterkatastrophe auf, der fünf Schiffe und 79 Menschen zum Opfer fielen. „Polare Tiefdruckgebiete gehören im Nordatlantik zu den gefährlichsten Wettersystemen“, sagt Roger Randriamampianina, Professor am Norwegischen Meteorologischen Institut. Sie lösen orkanartige Winde und extreme Schneestürme aus, können Lawinen verursachen und bedrohen Menschenleben. Forschungen des Instituts zeigen, dass man solche Stürme mit Satellitendaten besser vorhersagen kann.
Für die Menschen in den Küstenregionen Nordeuropas ist es lebenswichtig, rechtzeitig über polare Tiefdruckgebiete informiert zu sein. Frühwarnsysteme geben ihnen die Chance, sich auf arktische Hurrikane vorzubereiten. Das ist auch für Unternehmen extrem wichtig, insbesondere in der Fischerei und der Luftfahrt.
Polare Tiefdruckgebiete gehören im Nordatlantik zu den gefährlichsten Wettersystemen
Wenn Pflanzen weniger fluoreszieren
Im Sommer 2012 erlebten die USA die schlimmste „Blitzdürre“ seit den 1930er Jahren, ausgelöst durch extreme Hitze. Dies führte zu großen Ernteausfällen und wirtschaftlichen Schäden von über 30 Milliarden US-Dollar.
Der NASA-Satellit OCO-2 Orbiting Carbon Observatory-2, eigentlich zur CO₂-Messung entwickelt, kann sogar das schwache fluoreszierende „Glühen“ von Pflanzen erfassen. Wissenschaftler entdeckten, dass Veränderungen in der Pflanzenfluoreszenz auf eine bevorstehende Dürre hinweisen – und zwar schon Wochen oder Monate vor sichtbaren Auswirkungen auf den Boden.
Natürlich können Frühwarnung nicht alle Folgen von Blitzdürren aufhalten. Dennoch betont Jordan Gerth, Wissenschaftler am National Weather Service Office of Observations, ihren Nutzen für die Landwirtschaft. Vor allem die technisch fortschrittlichen Betriebe können gezielter bewässern und dadurch Schäden reduzieren.

Ein Satellit ist ein Objekt, typischerweise ein Raumfahrzeug, das in eine Umlaufbahn um einen Himmelskörper gebracht wird. Satelliten haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten, darunter Kommunikation, Wettervorhersage, Navigation (GPS), Rundfunkübertragung, wissenschaftliche Forschung und Erdbeobachtung.
Wirtschaftliche Relevanz von Frühwarnsignalen
Ein Bericht der Weltbank schätzt die wirtschaftlichen Verluste durch wetter- und klimabedingte Ereignisse in Europa von 1980 bis 2022 auf 650 Milliarden Euro, das sind rund 15,5 Milliarden Euro pro Jahr. Jedoch könnten rund 6,6 Milliarden Euro an Schäden durch frühe und genaue Warnungen vermieden werden.
Beeindruckend ist noch eine andere Zahl: Die Sterblichkeitsrate bei Überschwemmungen ging in den EUMETSAT-Mitgliedsstaaten zwischen 2000 und 2017 um 45 Prozent zurück – von 6.025 auf 3.331 Todesfälle.
Einstweilen ist es noch eine Herausforderung, dass diejenigen, die Entscheidungen treffen wie beispielsweise Stadtteile zu evakuieren, in einer angemessenen Zeit auf Satellitendaten zugreifen und diese verarbeiten können. Noch größer sind jedoch die politischen und finanziellen Hürden: Umfassende Überwachungsprogramme erfordern massive Finanzierung und langfristige Investitionen.
Einige Landesregierungen haben ihre Prioritäten verlagert – von internationalen Klimaschutzabkommen, wie dem Pariser Abkommen, hin zu kurzfristigem Wirtschaftswachstum. Mit dem Verschieben der Prioritäten geht einher, dass Mittel umverteilt werden. So hat die US-Regierung beispielsweise angekündigt, dass sie 41 NASA-Missionen streicht. Das erschwert den Ausbau von Satellitensystemen.
Trotz dieser Herausforderungen entwickelt die Branche sich vielversprechend. In den kommenden Jahren, da die Klimarisiken weiter zunehmen, werden Satellitenüberwachungssysteme wichtiger denn je sein.
Die Rolle von Daten beim Übergang der Wirtschaft zu Netto-Null
Unser Ansatz für Netto-Null
Die Deutsche Bank verfolgt einen umfassenden Ansatz, um den Übergang zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft zu unterstützen. Dabei werden Emissionen aus dem eigenen Betrieb, der Lieferkette und insbesondere aus Finanzierungen für Kunden berücksichtigt. Die größte Herausforderung liegt darin, das Kreditportfolio der Bank bis 2050 auf Netto-Null umzustellen. Die Zusammenarbeit mit Kund*innen ist hierbei der wichtigste Hebel zur Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks und zur Förderung des wirtschaftlichen Wandels.
Neue Technologien und die Qualität der verfügbaren Daten sind entscheidend, um Klima- und Umweltrisiken effektiv zu managen und den Übergangsplan erfolgreich umzusetzen. Erkenntnisse aus der Analyse von Daten sind für die Deutsche Bank essenziell, um fundierte Entscheidungen zu treffen und angemessene Maßnahmen einzuleiten. Herausforderungen wie Datenverfügbarkeit, -qualität und -konsistenz unterstreichen die Schlüsselrolle moderner Technologien im Transformationsprozess.
Unser Experte
Mauro Pantaleoni, Experte mit über zwanzig Jahren Erfahrung in Satellitensystemen und tätig im Bereich Copernicus Missionsentwicklung bei EUMETSAT in Darmstadt, steuerte wertvolle Fachinformationen bei. Neben seiner beruflichen Tätigkeit begeistert er sich für Tennis, Windsurfen, Quantenphysik, Psychologie und Kunst in all ihren Formen.
Diese Seite wurde im Februar 2026 veröffentlicht.
Abhishek Vyas
… hat seit seiner Kindheit den Nachthimmel als Raum für unzählige Sterne und Ort grenzenloser Vorstellungskraft betrachtet. Heute gilt sein Interesse der Frage, wie die Satellitenüberwachung der Menschheit nützt und die Welt durch ihre Perspektive aus dem Weltall verändert.
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