Thomas Grübler CSO und Co-Founder Ororatech

„Die Wahrheit kommt aus dem All“

Weltraum-Technologie als Massenmarkt, ein europaweites Ökosystem für Innovation – und Wärmebilder von der Erde im Minutentakt: Thomas Grübler, Mitgründer des Start-Ups OroraTech, über die Aussichten des Geschäfts mit Satelliten und Daten aus dem Orbit.

Als die What-Next-Redaktion OroraTech vor zwei Jahren porträtierte, war es ein junges Münchner Team mit einer kühnen Mission: Kleinst-Satelliten sollten die Erde alle 30 Minuten in Wärmebildern erfassen, um Waldbrände schneller zu erkennen.

Schon damals war die Lage alarmierend: Ausgetrocknete Böden, hohe Temperaturen und sogenannte „Zombie-Brände“ in nördlichen Regionen unseres Planeten verdeutlichten die wachsende Gefahr von Feuern und ihre Rolle als Treiber des Klimawandels.

Gleichzeitig waren die bestehenden Beobachtungssysteme unzureichend. Sie liefern oft nur zweimal täglich Daten – viel zu selten für ein globales Frühwarnsystem. Der Ansatz von OroraTech versprach eine neue Qualität: erstklassige Sensoren auf kleinster Fläche und schnelle Datenübertragung sollten weltweite Wärmebilder in einer viel höheren Frequenz möglich machen.

Mittlerweile hat sich die Vision weiterentwickelt – so wie die „Space Economy“ insgesamt. OroraTech, seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2018 Kunde der Deutschen Bank, ist gewachsen, die Technologie gereift. Das Ziel, Daten, die im Weltraum gewonnen werden, zum Alltagsinstrument für Klimaschutz und Sicherheit zu machen, rückt in greifbare Nähe.

Zeit also, erneut nachzufragen bei Thomas Grübler, dem Mitgründer, Strategie- und USA-Chef. 

Infrarot Kameras © Ororatech

Infrarot-Kameras © OroraTech

Herr Grübler, vor zwei Jahren hatte OroraTech das Ziel, 2026 alle 30 Minuten aktuelle Wärmebilder der gesamten Erdoberfläche zur Verfügung zu stellen. Schaffen Sie das?

Das Zieldatum verschiebt sich etwas. Gleichzeitig ist die Nachfrage größer und kommt aus mehr Branchen als geplant: Der Bedarf an Wärmebildern in hoher Frequenz steigt schneller als erwartet. Inzwischen geht es nicht mehr nur um 30-Minuten-Intervalle, sondern um noch kürzere Zyklen, um noch schnellere Aktualisierungen.     

Wir haben schon heute die weltweit größte Flotte an Wärmebild-Satelliten. Und bis Ende 2027 wollen wir eine Konstellation von 100 dieser Satelliten aufbauen.
Branderkennung – Satelliten erkennen einen Brand in Kalifornien © Ororatech

Aufspüren eines Waldbrandes in einem Nationalpark in Kalifornien. © OroraTech

OroraTech bedient aktuell Nutzer in 25 Ländern, überwacht 350 Millionen Hektar Land und kombiniert Daten aus rund 35 Satelliten- und Bodenquellen in Ihrer „Wildfire Solution“-Plattform. Wo wollen sie hin?

Wir wachsen kontinuierlich – und haben schon einiges erreicht: So haben wir seit März 2025 in Kooperation mit den US-Raumfahrtunternehmen Spire Global und Rocket Lab eine „Konstellation“ von acht eigenen Satelliten im All, um Waldbrände weltweit engmaschig zu erkennen und zu überwachen, zusammen mit Partnern sind es sogar 15. Das ist schon heute die weltweit größte Flotte an Wärmebild-Satelliten. Und bis Ende 2027 wollen wir eine Konstellation von 100 dieser Satelliten aufbauen.

Launch des Kepler-Satelliten © Ororatech

Vor dem Launch des Kepler-Satelliten © OroraTech

* Was ist eine Konstellation?

Eine Konstellation bezeichnet ein Netzwerk von mehreren Satelliten, die koordiniert betrieben werden, um gemeinsam einen bestimmten Dienst zu ermöglichen – zum Beispiel:

  • Erdbeobachtung in hoher Frequenz (wie bei OroraTech)
  • weltweite Kommunikation (zum Beispiel Starlink)
  • Navigation (zum Beispiel GPS, Galileo)

Die Satelliten fliegen dabei in geplanten Umlaufbahnen, oft verteilt über verschiedene Orbit-Ebenen. Gemeinsam erreichen sie eine viel bessere zeitliche und räumliche Abdeckung, als ein einzelner Satellit es könnte.

Warum sind Konstellationen so wichtig?

  • Höhere Aktualität der Daten: Je mehr Satelliten, desto öfter lässt sich ein Gebiet überfliegen.
  • Ausfallsicherheit: Fällt ein Satellit aus, übernimmt die „Schwarmintelligenz“ der anderen.
  • Skalierbarkeit: Neue Satelliten können flexibel hinzugefügt werden, um Kapazität oder Leistungsfähigkeit zu erhöhen.
  • Neue Geschäftsmodelle: Erst Konstellationen machen datenintensive Anwendungen in Echtzeit möglich.

Das sind ehrgeizige Pläne.

Ja, und Raumfahrt ist komplex. Große Projekte wie dieses sind nur mit starken Partnern möglich, die jeweils Experten auf ihrem Gebiet sind. Wir kooperieren seit Jahren auch mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und haben von ihm im Juni die Lizenz für eine KI-basierte Methode erhalten, die Waldbrände aus dem All erkennt und überwacht.

Ein gutes Stichwort: Wie wichtig ist denn Künstliche Intelligenz für die Satelliten-Technologie?

Sie ist unverzichtbar. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viel Hardware ins All zu schießen, sondern möglichst hilfreiche Daten für uns auf der Erde zu bekommen. Unsere Kunden und die Branche insgesamt bewegen sich mit großer Geschwindigkeit in Richtung KI-gestützter Entscheidungsprozesse.

Ein Beispiel: Ich halte es für realistisch, dass die Einsatzleitstellen schon bald über spezialisierte „KI-Operatoren“ verfügen, die eigenständig analysieren und Handlungsempfehlungen geben, so dass die Einsatzleiter sofort entscheiden können.

Was sind neben guten Partnern und der physischen Infrastruktur, etwa den Satelliten, weitere Schlüsselfaktoren für den Erfolg in der Erdbeobachtung?

Am Ende entscheidet die Qualität der Daten, die ein Unternehmen erhebt, analysiert und aufbereitet, über das Vertrauen der Kunden. Mit unserer Kombination aus eigenen Satelliten-Konstellationen und der Lizenz für externe Spitzenprodukte können wir erstklassige Daten erheben und analysieren. Und das wird in Zukunft sogar noch wichtiger.

Verlässliche Daten werden künftig der Engpassfaktor sein.

Inwiefern?

Verlässliche Daten werden künftig der Engpassfaktor sein. Damit generative KI-Modelle zuverlässige und vertrauenswürdige Ergebnisse erzielen können, müssen wir die strategische Kontrolle über die zugrundeliegenden Rohdaten behalten. Anders formuliert: Der Wert unabhängiger, manipulationssicherer Sensoren, die diese Daten liefern, steigt. Dabei ist eines klar: Die Wahrheit über die Erde wird künftig aus dem All kommen – und die Nachfrage nach dieser „ground truth from space“ wird noch erheblich wachsen.

Stichwort Datensouveränität: Wie bauen Sie technologischen Abhängigkeiten im Weltall vor?

Durch die eigene, ESA-finanzierte Satelliten-Entwicklung verfügt OroraTech über tiefes System-Know-how und volle Kontrolle über kritische Komponenten. Gleichzeitig machen uns alternative Lieferketten resilient und beweglich. Wir nutzen unsere Infrastruktur nicht nur, wir gestalten sie.

FOREST 2 im Orbit Visualisierung © Ororatech

Der Forest 2 Satellite im Weltraum - Visualisierung  © OroraTech

Dafür haben Sie 2025 Ihre Finanzierung auf insgesamt über 50 Millionen Euro ausgeweitet. Was erwarten Ihre Investoren?

Die Finanzierung der Space Economy orientiert sich zunehmend an klassischen Marktmechanismen. Investoren erwarten vergleichbare Renditen wie in anderen Branchen. Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb und müssen wirtschaftliche Tragfähigkeit beweisen. Entscheidend sind Innovation, Skalierbarkeit und Diversifikation.

Nur wer nachhaltige Geschäftsmodelle vorweisen kann, überzeugt langfristig. Und da die Investoren uns vertrauen und wir weiterwachsen wollen, streben wir bereits 2026 eine weitere Finanzierungsrunde an.

In welchen Bereichen sehen Sie die besten Wachstumschancen?

Wir haben mittlerweile einen strukturierten Innovationsprozess aufgesetzt, um den Markt systematisch zu erschließen. Unser Fokus liegt bisher auf waldbrandnahen Segmenten wie Energieinfrastruktur und CO₂-Projekten, die von Feuerdaten unmittelbar profitieren. Unsere Technologie hilft zum Beispiel Energieversorgern, Brandrisiken in der Fläche frühzeitig zu erkennen und so Ausfallzeiten zu minimieren.

Auch der CO₂-Markt bietet enormes Potenzial. Die Herausforderungen rund um die Qualität von CO2-Zertifikaten, etwa fehlende Transparenz oder unterschiedliche Bewertungsstandards bei der Kompensation von CO₂-Ausstoß, machen klar, wie wertvoll unabhängige, satellitenbasierte Daten in großflächigen und schwer zugänglichen Regionen sind.

Was macht Sie so sicher, dass sich die Space Economy aus der Nische in die Mitte der Wirtschaft entwickelt?

Die Bundesregierung plant Investitionen von 35 Milliarden Euro in Weltraum-Infrastruktur – das ist ein politischer Wendepunkt. Gleichzeitig werden Satelliten im privaten Markt zur Selbstverständlichkeit: Kommunikationsdienste wie Starlink demonstrieren, dass ihre Infrastruktur im Weltall nicht nur skalierbar und konkurrenzfähig, sondern erdgebundenen Systemen oft überlegen ist. Die gleiche Dynamik sehen wir nun in der Erdbeobachtung, wo Satelliten lokale Messstationen, Flugzeuge und Drohnen zunehmend ergänzen oder sogar ersetzen.

Schon heute spielen Weltraum-Technologien in nahezu allen Industrien eine unverzichtbare Rolle. 

When do you think space technology will truly reach the mass market?

Schon heute spielen Weltraum-Technologien in nahezu allen Industrien eine unverzichtbare Rolle. Für direkte Anwendungen durch Endnutzer wird sie dann massenmarktfähig, wenn Daten vollständig automatisiert nutzbar sind. KI-gestützte Analyse, Warnsysteme und intuitive Schnittstellen ermöglichen den Nutzern dabei schon heute einen breiten Zugriff – auch wenn viele gar nicht wissen, dass die Informationen aus dem All kommen. 

Ein Beispiel: Millionen Menschen haben durch Navigationsdienste oder Wetter-Apps direkten Kontakt mit weltraumbasierten Daten. Und das ist der Anfang: Wenn die Technologie auch direkt im Alltag der Menschen angekommen ist, steigen die Möglichkeiten exponentiell.

Sie haben Büros unter anderem in Deutschland, den USA, Kanada – und seit 2025 auch in Athen. Wofür brauchen Sie so viele Standorte?

Weltrauminfrastruktur wird zunehmend als sicherheitsrelevant betrachtet. Viele Staaten, zum Beispiel Kanada, verlangen eine lokale Registrierung und den Betrieb vor Ort.

Und was Griechenland betrifft, haben wir dort gerade einen 20-Millionen-Euro-Vertrag abgeschlossen, um das erste nationale Waldbrand-Überwachungssystem aus dem All zu unterstützen. Unser Standort in Athen erfüllt die regulatorischen Anforderungen, leistet einen Beitrag zum Technologietransfer in die Region – und bietet ein gutes Umfeld für die Mitarbeitenden.

Für uns als Unternehmen haben solche öffentlichen, landesweiten Programme einen weiteren Vorteil: Sie zeigen auf höchstem Niveau, dass unsere Produkte wirksam sind. Wenn ein Staat eine bestimmte Technologie für seine Infrastruktur einsetzt, wird diese automatisch international relevant. Das wirkt wie ein Marktsignal für andere Länder..

Die Space Economy ist global – und bleibt global.

Wird es bald ein Silicon Valley der Space Economy geben?

Die Space Economy ist global – und bleibt global. Unternehmen benötigen zwar lokale Teams vor Ort, um die jeweils geltenden Vorschriften und Regeln umzusetzen. Gleichzeitig brauchen sie globale Strukturen, da Satelliten zwangsläufig weltweit operieren. Das Modell der Zukunft ist also „glocal“: globale Plattform, lokale Anpassung.

Bleibt Europa in diesem Umfeld langfristig konkurrenzfähig?

Die Chancen stehen gut. Europa verfügt über starke Forschung, Ingenieurskunst und effektive staatliche Programme. Und es gibt einen realen Bedarf an Weltraum-Anwendungen. Unternehmen wie OroraTech bedienen diese Nachfrage und demonstrieren, dass Weltraum-Technologie nicht bloß Vision, sondern bereits Realität ist – die sich skalieren lässt. Das schafft die Grundlage für ein kontinentales Innovations-Ökosystem.

Über Thomas Grübler

Thomas Grübler ist Mitgründer von OroraTech, einem 2018 gegründeten NewSpace-Unternehmen, das er seitdem maßgeblich mit aufgebaut hat. Heute beschäftigt OroraTech rund 180 Mitarbeitende weltweit; die Systeme des Unternehmens werden von Behörden, Feuerwehren und Unternehmen auf mehreren Kontinenten eingesetzt.

Grüblers Interesse für das Thema Waldbrandbekämpfung ist auch durch sein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr geprägt. Als Chief Strategy Officer verantwortet er die strategische Entwicklung und Internationalisierung von OroraTech. Seit 2025 ist er zudem CEO & President von OroraTech USA und leitet den Ausbau des US-Geschäfts.

Thomas Grübler CSO und Co-Founder Ororatech
Verpackung eines Satelliten durch das Ororatech-Team © Ororatech

Über OroraTech

OroraTech, 2018 in München gegründet, entwickelte die weltweit erste und größte Satelliten-Konstellation zur Echtzeit-Erkennung von Waldbränden. Das Unternehmen nutzt dafür Wärmebildsensorik und KI‑gestützte Analysen. 

Seit 2022 bringt OroraTech eigene Satelliten ins All. Bis Anfang 2025 starteten drei Prototypen (FOREST‑1 bis ‑3). Im März 2025 folgte dann ein großer Schritt: Acht weitere operative Satelliten bilden den Kern der eigenen „Wildfire-Konstellation“. Ziel ist eine Flotte von rund 100 Satelliten bis Ende 2027, die alle 30 Minuten globale Wärmebilddaten liefern soll.

Zusätzlich kombiniert OroraTech seine eigenen Messungen mit Daten von weiteren Erdbeobachtungssatelliten, und greift so auf rund 35 Quellen zurück, um Feuer weltweit schnell und präzise erkennen und überwachen zu können. 

OroraTech ist seit der Unternehmensgründung im Jahr 2018 Kunde der Deutschen Bank.

 

Diese Seite wurde im Februar 2026 veröffentlicht.

Iclal Hamarat

Iclal Hamarat

… ist überzeugt davon, dass das Weltall mit seinen unendlichen Möglichkeiten nicht nur wissenschaftlich fasziniert, sondern auch unseren Blick auf Verantwortung und Zukunft auf der Erde schärft.

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