Mach‘s anders: Die vielfältigen Seiten des Erfolgs

Besondere Lebenswege und Eigenschaften zu akzeptieren und als wertvoll zu schätzen, kann herausfordernd sein. Doch Gesellschaft und Unternehmen profitieren von ungewöhnlichen Herangehensweisen. Wir haben die Wege von „Andersmachern“ nachgezeichnet.

Tierärztin, Pilot, Feuerwehrfrau, Rennfahrer: Haben Sie den Beruf ergriffen, von dem Sie als Kind geträumt haben? Ist ihr Lebensweg gradlinig, ohne Irrungen und Wirrungen verlaufen? Lässt man die eigene Lebensgeschichte der vergangenen Jahrzehnte einmal Revue passieren, stellt jede und jeder von uns irgendwann fest, dass das Leben oft andere Wendungen genommen hat als erwartet.

Die wenigsten Karrieren verlaufen wie am Schnürchen von der Banklehre über die Filialleitung bis in den Vorstand. Und nicht jeder Schritt wie ein neuer Job, ein Umzug, eine Scheidung oder ein neuer Lebenspartner führt uns zwangsläufig dorthin, wo wir es vorher vermutet hätten. 

Anders machen durchs Anderssein 

Doch wann ist mein Weg nicht mehr Mainstream, sondern außergewöhnlich? Und wie definiert sich der Erfolg dieser Entscheidung? Die Antwort auf diese Fragen ist so vielfältig, wie Menschen individuell verschieden sind. Das zeigten auch die Diskussionen der Redaktion beim Entstehen dieses What Next-Dossiers zum Thema „Anders zum Erfolg”: Diese waren kontrovers, ambivalent, von individuellen Erfahrungen und Einstellungen zum Thema geprägt.

Denn die Frage, wie man einen „anderen Weg” zum Erfolg gehen kann, ist nur schwer von der Frage zu lösen, ob man dafür auch als Persönlichkeit „anders” sein muss. Doch was ist noch normal? Und was schon anders? 

Kein Schema und doch erfolgreich 

Klar scheint immerhin, dass die Gesellschaft für berufliche Werdegänge über Normen und vorgezeichnete Wege verfügt. Bäcker wird man über die passende Ausbildung, Winzer stammen zumeist aus einer Winzerfamilie mit ausreichend Landbesitz, und erfolgreiche Unternehmensberater wechseln nicht selten in Führungspositionen von Unternehmen. Wir erkennen Muster in Lebenswegen, die zu Vorbildern oder gar Standards werden können.

Doch was vermeintlich vorgegeben oder statistisch wahrscheinlich ist, muss nicht der einzige Weg zum Erfolg sein. Das zeigen eindrucksvoll die besonderen Unternehmer-Persönlichkeiten, die keinem Schema gefolgt sind und deren Weg doch zu beachtlichen Erfolg geführt hat. Wie etwa Ahmet Yildirim, der als Newcomer im traditionsreichen Weinbaugebiet Rheingau mit ungewöhnlichem Marketing erfolgreich Wein produziert – und das ohne eigenen Weinberg. Oder Seng Choon Koh, der in Singapur entgegen aller Erwartungen Erfolg mit einem Restaurant hat, in dem ausschließlich Menschen mit Behinderung arbeiten.

Mehr Vielfalt eröffnet neue Möglichkeiten 

Erkenntnisse, von denen auch und gerade Unternehmen profitieren können. Denn wer heute nicht darauf achtet, sein Team aus ganz unterschiedlich geprägten Talenten zusammenzustellen, lässt sich letztlich geschäftliche Chancen entgehen. Deswegen arbeiten Unternehmen daran, diverser zu werden. Das bestätigten uns die israelische Soziologin Alexandra Kalev und die Deutsche-Bank-Personalmanagerin Birthe Mester.

Doch es gibt noch einen weiten Weg zu gehen, denn es ist eine menschliche Herausforderung, das „Andere“ zu schätzen und als gleichwertig anzuerkennen, und es ist eine unternehmerische Herausforderung, Belegschaften bunter zu machen. Dabei liegt der Vorteil klar auf der Hand: Öffnen sich Unternehmen für mehr Vielfalt, lassen sich neue Kunden- und Mitarbeitergruppen erschließen.

Mehr als nur Schulungen 

Doch dafür genügt es nicht, Mitarbeitende durch „Diversity“-Schulungen zu schleusen. Denn es geht längst nicht mehr nur um mehr Vielfalt hinsichtlich Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität oder Alter, bestätigt Kalev. Vielmehr müssten sich Unternehmen als System grundlegend ändern und die Vielfalt von Talenten in den Blick nehmen.

„Wir müssen über unsere bestehenden Netzwerke hinausblicken, um ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten in Betracht zu ziehen”, sagt auch Deutsche-Bank-Vorstand Christiana Riley. „Und wir müssen uns mehr hinterfragen, wenn wir keine Bewerber*innen zur Auswahl haben, die diese Vielfalt repräsentieren.”

Wir müssen über unsere bestehenden Netzwerke hinausblicken, um ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten in Betracht zu ziehen
Christiana Riley, Deutsche Bank, Management Board Member

Die Menschen, die What Next für dieses Dossier porträtiert hat, stehen für den Erfolg abseits ausgetretener Pfade. Und dafür, wie mehr Vielfalt das Leben bereichert.

Felix Winnands

…hat als Redaktionsleiter dieses Dossiers spannende „Andersmacher“ kennengelernt und sich tief in die wissenschaftliche Debatte eingelesen. Sein persönliches Fazit: Der Prozess, mehr Diversität und Teilhabe in der Gesellschaft zu fördern, hat rasant Fahrt aufgenommen – ist aber lange nicht am Ziel.

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