Killt Corona das Klima?

Die Pandemie hat ihre guten Seiten. Zum Beispiel weniger Verkehr, weniger Emissionen. Es gibt aber auch gegenläufige Effekte. Deswegen ist es wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten. Seit Beginn der Corona-Krise machen sich die Menschen mehr Sorgen um ihre Gesundheit und Existenz. Dennoch bleibt der Klimawandel die größte Herausforderung unserer Zeit.

WENIGER EMISSIONEN.

Klar, es wird weniger geflogen. Allein im ersten Halbjahr wurden weltweit 1.551 Tonnen weniger CO2-Emissionen gemessen. Für 2020 rechnen Experten mit einem Rückgang von insgesamt bis zu 8 Prozent. Das ist gut fürs Klima, gefährdet aber auch Jobs. Manche Fluggesellschaften rechnen zum Beispiel damit, in naher Zukunft nur ein Viertel ihrer verfügbaren Kapazitäten nutzen zu können.

WENIGER KONSUM.

Auch der private Konsum ist in Zeiten der Pandemie zurückgegangen. Allein in der EU sank der reale Pro-Kopf-Konsum der privaten Haushalte im ersten Quartal 2020 um 2,9 Prozent. Dieser Rückgang bedroht auch die Existenz der kleinen Geschäfte, die die Fußgängerzonen unserer Städte bereichern.

KONKURRIERENDE INTERESSEN.

Restaurants und Bars leiden finanziell stark unter den Einschränkungen und temporären Schließungen. Um auch in den kälteren Monaten des Jahres Gäste im Außenbereich bedienen zu können, setzen einige auf Heizpilze, die vor der Pandemie vielerorts verbannt wurden, weil sie dem Klima schaden. Denn ein Heizpilz stößt im Jahr bei durchschnittlicher Nutzung vier Tonnen CO2 aus, also ungefähr so viel wie ein Kleinwagen, der 15.000 km fährt.

MEHR PLASTIK.

Um den Geschäftsbetrieb wenigstens teilweise aufrecht zu erhalten, werden mehr Speisen für den Verzehr außer Haus verpackt. Auch deshalb produzieren wir in Deutschland derzeit ca. 20 Prozent mehr Plastikmüll.

DAS DILEMMA.

Was das Klima kurzfristig entlastet, kann die Existenz von Menschen und Unternehmen gefährden. Was sollen wir also tun? Warten, bis die Pandemie vorbei ist, und uns dann wieder um das Klima kümmern?

WACHSENDES BEWUSSTSEIN.

Der Klimawandel macht keine Pause. Auch wir sollten keine machen. Immerhin 40 Prozent der Menschen weltweit sagen, dass sie künftig nachhaltiger leben wollen. Wie kann jeder Einzelne dazu beitragen?

KLUG ENTSCHEIDEN.

Um unseren individuellen CO2-Verbrauch zu verringern, können wir uns zum Beispiel umweltbewusster fortbewegen. Fahrräder sind seit Beginn der Pandemie sobeliebt, dass es vor allem in den Großstädten zu Engpässen und langen Lieferzeiten kommt.

MÜLL REDUZIEREN.

Außerdem können wir darauf achten, weniger Plastikmüll zu produzieren. Und wo er nicht zu vermeiden ist, sicherstellen, dass er wiederverwendet werden kann.

BEWUSSTER ESSEN.

Wir können weniger Fleisch essen, mehr Obst und Gemüse aus der Region. Auch das entlastet das Klima.

NACHHALTIG INVESTIEREN.

Sich für die richtige Bank entscheiden und klug investieren: Das sind schon Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit – und zwar ohne auf Rendite zu verzichten. Obwohl sie von der Corona-Pandemie erschüttert waren, haben sich ESG-Unternehmen in Europa bis Mitte Mai besser entwickelt als der Gesamtmarkt.

UNSER BEITRAG.

Als Deutsche Bank haben wir unseren Kunden geholfen, in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 nachhaltige Finanzierungen in Höhe von 46 Milliarden Euro zu erhalten. Im dritten Quartal haben wir grüne Anleihen im Wert von 4 Milliarden Euro am Markt platziert: Damit belegten wir bei der Ausgabe grüner Anleihen gemessen am Volumen den 3. Platz.

DAS GROSSE GANZE IM BLICK.

Ist es wichtiger, der Wirtschaft mit allen Mitteln möglichst schnell auf die Beine zu helfen? Oder sollten die Klimaziele unsere höchste Priorität sein? Hierauf gibt es keine einfache Antwort. Das eine zu erreichen, ohne das andere zu opfern, ist die gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Regierungen, Unternehmen, Banken und jeder Einzelne von uns – alle müssen dazu beitragen.

Für mehr Einblicke zu einer großen Bandbreite von Themen, besuchen Sie bitte die Deutsche Bank Research Webseite

Quellen

WENIGER EMISSIONEN: Near-real-time monitoring of global CO2emissions reveals the effects of the COVID-19 pandemic, Zhu Liu, Philippe Ciais, Hans Joachim Schellnhuber et al. in nature communications, 11, October 2020; Geringere CO2-Emissionen durch Corona-Beschränkungen noch nicht in der Atmosphäre erkennbar, Karlsruher Institut für Technologie, Presseinformation 078/2020

WENIGER KONSUM: Eurostat, Pressemitteilungen Euroindikatoren 118/2020

KONKURRIERENDE INTERESSEN: FAZ.NET, 2020; BUND Landesverband Nordrhein Westfalen, 2020

MEHR PLASTIK: Corona stürzt Plastik-Recycling in die Krise, ZDF heute, 2020

WACHSENDES BEWUSSTSEIN: The Pandemic Is Heightening Environmental Awareness, Boston Consulting Group 2020

NACHHALTIG INVESTIEREN: Deutsche Bank

UNSER BEITRAG: Deutsche Bank, Dealogik

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