News 24. Oktober 2019

Hat Mario Draghi den Euro gerettet - oder den Zeitpunkt verpasst, aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen?

Nach acht Jahren an der Spitze der Europäischen Zentralbank verlässt Mario Draghi die Europäische Zentralbank (EZB). Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland, sprach auf Bloomberg TV über Draghis Erbe und darüber, was für die neue EZB-Ratspräsidentin Christine Lagarde auf dem Spiel steht. Lesen Sie ausgewählte Statements aus Stefan Schneiders Interview mit Nejra Cehic bei „Bloomberg Daybreak: Europa“.

  • „Für einige gilt Draghi als der Retter Europas und des Euros. Doch wenn man sich die Spätphase seiner Amtszeit anschaut, könnte man auch argumentieren, dass er den Zeitpunkt verpasst hat, aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen.“
  • „Draghi hat durch seine Entscheidungen im vergangenen Monat die Richtung vorgegeben. Wir gehen davon aus, dass es in der Ratssitzung im Dezember, also wenn Lagarde die Geschäfte übernommen hat, höchstwahrscheinlich zu einer weiteren Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte kommen wird."
  • „Die EZB sollte über ein mittelfristiges Inflationsziel nachdenken, denn was die Amtszeit von Mario Draghi im Grunde genommen gezeigt hat und was wir auch bei vielen anderen Zentralbanken gesehen haben, ist, dass derzeit disinflationäre Kräfte im Spiel sind. Themen wie Demographie, Globalisierung und andere Phänomene lassen sich nicht allein mit Geldpolitik lösen.“
  • „Wir sind in Deutschland von einer Krise weit entfernt. Und wir haben in unserem Sozialsystem fiskalische Stabilisatoren eingebaut, die dazu beitragen, den Abschwung abzufedern. Solange Deutschland also nicht vor einer richtigen Rezession steht und die BIP-Wachstumsprognosen für 2020 nicht in den negativen Bereich fallen, glaube ich nicht, dass Deutschland bereit ist, seine Fiskalpolitik weiter zu lockern.“
  • „Was oft übersehen wird, ist, dass die deutsche Fiskalpolitik in diesem Jahr deutlich gelockert wurde und im nächsten Jahr weiter expansiv ausgerichtet sein wird.“
  • „Ich glaube nicht, dass Frau Lagarde den deutschen Finanzminister davon überzeugen wird, den Geldhahn noch weiter aufzudrehen.“

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