News 3. November 2021

Christian Sewing in Glasgow: „Wir müssen gemeinsam Wege in eine nachhaltigere Wirtschaft finden“

Experten und Unternehmer diskutieren auf der 26. Weltklimakonferenz über ESG-Strategien für Unternehmen und die Bedeutung von Städten beim Kampf gegen die Klimakrise.

Wie gelingt deutschen Unternehmen die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit – wie weit sind sie, was müssen sie noch tun und welche Rolle spielen Banken dabei? Diese Frage stand im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstags der Deutschen Bank auf der Weltklimakonferenz in Glasgow am Dienstag. Zum Auftakt wurde eine Studie der Werte-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und der Beratung Bain & Company vorgestellt. Ihr Titel: „Von Haltung zu Handeln – Wie deutsche CEOs Nachhaltigkeit vorantreiben.“

Die Ergebnisse der Befragung von 20 Vorstandschefinnen und -chefs sind eindeutig: Nachhaltigkeit ist auf der Agenda der Unternehmen ganz weit nach oben gerückt. 90 Prozent der CEOs gehen sogar davon aus, dass das Thema Nachhaltigkeit langfristig wichtiger sein werde als die Digitalisierung. Und das hat Folgen auf die Unternehmensstrategie: Alle Unternehmen beziehen heute Nachhaltigkeitsziele in ihre Planungen ein – und arbeiten daran, neue und nachhaltige Lösungen für ihre Kunden zu entwickeln.

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Und dabei ist auch die Deutsche Bank gefordert: „Der Beratungsbedarf ist enorm. Bei jedem Kundentermin, sei es mit DAX- und MDAX-Konzernen oder mit Familienunternehmen, kommt das Thema Nachhaltigkeit heute zur Sprache – zusammen mit der Frage, wie wir unsere Unternehmenskunden unterstützen können: mit Beratung, aber auch indem wir ihre nachhaltige Transformation finanzieren“, sagte Christian Sewing auf einer Podiumsdiskussion während der Veranstaltung.

Banken könnten eine entscheidende Rolle bei der Transformation zu einer umweltfreundlicheren, sozial inklusiv und gut geführten Wirtschaft (ESG) eine entscheidende Rolle spielen, zeigte sich Sewing überzeugt. „Wir können Lösungen bieten, aber dafür müssen wir die Probleme kennen. Deswegen arbeiten wir aktiv und eng mit unseren Kunden zusammen.“ Es gehe darum, gemeinsam Wege in eine nachhaltigere Wirtschaft zu entwickeln – das brauche Augenmaß und eben keine Verbote oder gar radikale Maßnahmen: „Schwarzweiß-Denken funktioniert nicht, wir brauchen einen Transformationspfad. Ich kann eine vollständige Transformation in 12 oder 24 Monaten durchziehen. Dann habe ich etwas für das ‚E‘, also die ökologische Komponente“ getan, aber das ‚S‘, also die soziale Komponente, komplett aus den Augen verloren“, sagte Sewing.

Ein enger Transformationsdialog mit ihren Kunden steht deshalb im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsstrategie der Deutschen Bank. Ein Unternehmen, mit dem es einen solchen Dialog schon gibt, ist Schaeffler, einer der größten Zulieferer für die Autobranche und die Industrie. Neben Fragen zur Finanzierung, zu ESG-Ratings und innovativen Bezahllösungen geht es in den Gesprächen mit Schaeffler auch um einen Gedankenaustausch dazu, wie Unternehmen, Banken und andere Partner gemeinsam die Entwicklung zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft vorantreiben können.

Dabei entstand auch die Idee zu einer gemeinsamen Veranstaltung auf dem Klimagipfel in Glasgow – und so diskutierten Christian Sewing, Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld und der Wissenschaftler Philipp Rode von der London School of Economics am Abend über ein Thema, das alle drei Partner verbindet: Die Bedeutung von Städten bei der Bekämpfung des Klimawandels.

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Rode unterstrich, dass das Potenzial zum Senken von Kohlendioxid-Emissionen in Städten gewaltig sei, nicht zuletzt durch die Entwicklung moderner Verkehrs- und Mobilitätssysteme. Daran arbeitet auch Schaeffler – zum Beispiel an leichten Hybridfahrzeugen wie Elektrofahrrädern. Diese „ermöglichten eine saubere und gesunde Beförderung von Personen und Gütern in der Stadt“, sagte Rosenfeld.

Christian Sewing betonte, dass Technologie und Innovation der Schlüssel sei, um die Herausforderungen zu meistern, vor denen viele Städte weltweit stehen. Es reiche aber nicht aus, innovative Produkte zu haben. „Wir müssen Wege finden, um sicherzustellen, dass möglichst viele Städte, Unternehmer und Verbraucher – überall auf der Welt – diese Erfindungen so schnell wie möglich nutzen können.“

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Hier kämen die Banken ins Spiel: „Wir stellen die Finanzierungen bereit, entwickeln individuelle Bezahllösungen und gewähren unseren Kunden Zugang zu den globalen Kapitalmärkten, um langfristige Investitionen zu ermöglichen.“ Denn eines sei auch klar: Die grüne Transformation erfordert enorme Investitionen, die sich nicht alleine über Bankkredite oder staatliche Subventionen finanzieren ließen.“ Große Städte werden für ihre Investitionen in Stromnetze, Heiz- und Verkehrssysteme auch die Hilfe von Investoren am Kapitalmarkt brauchen.“

Alle Reden und Podiumsdiskussionen des ersten Veranstaltungstags der Deutschen Bank können Sie sich noch einmal als Aufzeichnungen ansehen.

Sehen Sie sich ein Videointerview mit dem Städteforscher Philipp Rode an.

Alle Informationen zu unseren Veranstaltungen auf dem Klimagipfel in Glasgow haben wir zusammengestellt.

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