Nachricht 29. Juli 2020

2Q2020 Quartalsergebnisse: Nachricht des Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing an die Mitarbeiter

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als wir im Juli 2019 die Transformation unserer Bank ankündigten, gingen wir von einer besonders intensiven Umbauphase von sechs Quartalen bis Ende 2020 aus. Nun, nach vier Quartalen, haben wir bereits mehr als drei Viertel der erwarteten Transformationskosten verarbeitet – und die Früchte unser aller Arbeit werden mehr und mehr sichtbar. Unsere Entscheidung, die Deutsche Bank auf ihre Stärken zu konzentrieren, zahlt sich aus.

Sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr 2020 waren wir profitabel – und das trotz der Kosten für unseren Umbau und der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Denn in unserem operativen Geschäft verbessern wir uns stetig – und zwar sowohl bei den Erträgen als auch bei den Kosten. Das zeigt sich in unserer Kernbank: Hier ist der bereinigte Vorsteuergewinn im zweiten Quartal um elf Prozent auf 935 Millionen Euro gestiegen.

Besonders erfreulich ist, dass die Erträge in unserer Kernbank ohne Sondereffekte im Jahresvergleich um acht Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zulegten. Damit liegen wir über unseren internen Prognosen – und unsere Ertragspläne für 2022 sind in Reichweite.

Wir sind hier auch deshalb so zuversichtlich, weil wir in allen vier Geschäftsbereichen, in die wir investieren wollen, eine positive Dynamik sehen:

  • Unsere Unternehmensbank hat ihre Erträge im zweiten Quartal im Jahresvergleich um drei Prozent gesteigert. Wir sind sowohl beim Kreditvolumen als auch im Zahlungsverkehr gewachsen – so haben wir im ersten Halbjahr 1,6 Milliarden Transaktionen für Unternehmen abgewickelt, ein Plus von neun Prozent im Jahresvergleich. Gleichzeitig haben wir alles getan, um unsere Kunden in der Krise zu unterstützen: In Deutschland sind wir bei den KfW-Programmen so aktiv wie keine andere Bank, mit Kreditzusagen von 1,8 Milliarden Euro, weiteren Anträgen über mehr als fünf Milliarden Euro und 8,5 Milliarden Euro an Konsortialkrediten, die wir arrangiert haben.
  • In unserer Investmentbank konnten wir die Erträge ohne Sondereffekte um 52 Prozent steigern. Das haben wir zu einem großen Teil unserem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen zu verdanken, das sein zweitbestes Quartal seit 2015 hatte: Ohne das Finanzierungsgeschäft und Sondereffekte sind die Erträge um mehr als 75 Prozent gestiegen. Im Finanzierungsgeschäft haben sich die Erträge gut vom herausfordernden Marktumfeld im ersten Quartal 2020 erholt. Im Beratungs- und Emissionsgeschäft sind die Erträge im zweiten Quartal um 73 Prozent gestiegen, nachdem Kunden so viel Kapital über Aktien und Anleihen aufgenommen haben wie nie zuvor. Gleichzeitig haben wir über das gesamte erste Halbjahr unseren Marktanteil gegenüber den sechs Monaten zuvor deutlich gesteigert, vor allem dank unserer Stärke bei Anleihenemissionen.
  • Zufrieden sind wir mit der Entwicklung unserer Privatkundenbank in diesem herausfordernden Umfeld. Hier sind wir beim Umbau gleich mehrere große Schritte vorangekommen. In Deutschland haben wir die Privat- und Firmenkundenbank AG mit der Muttergesellschaft zusammengeschlossen. Außerdem haben wir die Internationale Privatkundenbank geschaffen, in der unser globales Wealth Management und das internationale Privat- und Firmenkundengeschäft aufgehen. Das sind weitere wichtige Voraussetzungen, um unsere Ertrags- und Kostenziele zu erreichen. Natürlich haben unsere Erträge im zweiten Quartal unter den Folgen der Corona-Pandemie und den noch niedrigeren Zinsen gelitten. Doch trotz der schwierigen Bedingungen sehen wir positive Trends: So verzeichnete die Privatkundenbank in den Monaten von April bis Juni Nettoneukredite von drei Milliarden Euro und erzielte Nettomittelzuflüsse von mehr als fünf Milliarden Euro in Kapitalanlageprodukten.
  • In der Vermögensverwaltung gingen die Erträge im zweiten Quartal zurück. Das lag vor allem daran, dass wir bestimmte leistungsabhängige Vergütungen nur alle zwei Jahre erhalten. Die Teams der DWS konnten das Geschäftsvolumen jedoch steigern: Nach leichten Abflüssen im ersten Quartal verzeichnete das Asset Management im zweiten Vierteljahr wieder Nettomittelzuflüsse von neun Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen stieg von 700 Milliarden auf 745 Milliarden Euro.

Gleichzeitig kommen wir beim Bilanzabbau in unserer Einheit zur Freisetzung von Kapital und beim Umbau unserer Infrastruktur wie geplant voran. Ein besonderer Transformationsschritt soll die beabsichtigte Partnerschaft mit Google Cloud werden. Hier geht es einerseits um mehr Effizienz, andererseits auch darum, mit modernster Datenanalyse und künstlicher Intelligenz ganz neue Felder für unsere Kunden und damit neue Ertragsströme zu erschließen.

Die Früchte unser aller Arbeit werden mehr und mehr sichtbar. Unsere Entscheidung, die Deutsche Bank auf ihre Stärken zu konzentrieren, zahlt sich aus.

Wachstumspotenzial sehen wir auch im Geschäft mit nachhaltigen Finanzprodukten, die für unsere Kunden in allen Geschäftsbereichen immer wichtiger werden. Wir haben uns im zweiten Quartal ehrgeizige Ziele gesteckt und unsere erste grüne Anleihe begeben. Nun arbeiten wir daran, Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette unserer Bank zu verankern. Dazu gehört auch, dass wir mit unserer neuen Richtlinie für Finanzierungen im Öl-, Gas- und Kohlesektor festlegen, welche Geschäfte wir zum Schutz des Klimas zurückfahren oder gar nicht mehr machen werden.

Angesichts der vielen strategischen Initiativen ist es keine Kleinigkeit, bei den Kosten auf Kurs zu bleiben. Aber auch da liegen wir voll im Plan. Wir blicken zurück auf das zehnte Quartal in Folge, in dem wir unsere bereinigten Kosten ohne Transformationsbelastungen und Bankenabgaben im Jahresvergleich senken konnten. Damit haben wir bereits die Hälfte unserer bis 2022 geplanten Einsparungen von sechs Milliarden Euro realisiert. So sind wir weiterhin sehr zuversichtlich, unsere Kostenziele zu erreichen, sowohl für dieses Jahr als auch in den kommenden Jahren.

Durch diese operative Stärke mit steigenden Erträgen und deutlich sinkenden Kosten konnten wir auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie weitgehend ausgleichen: Trotz der gestiegenen Risikovorsorge im Kreditgeschäft ist unsere Bilanz noch stabiler geworden. Unsere harte Kernkapitalquote ist sogar von 12,8 auf 13,3 Prozent gestiegen. Das gibt uns viel Spielraum, um Geschäftschancen zu nutzen und unseren Kunden in dieser Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit weiterhin zur Seite zu stehen – mit fundierter Beratung und den nötigen Finanzmitteln.

Dass wir uns in die richtige Richtung bewegen, belegen auch die Ergebnisse unserer aktuellen Mitarbeiterbefragung. Der Wert dafür, wie sehr Sie sich mit unserer Bank verbunden fühlen (Commitment), ist der höchste seit 2012. Und die Voraussetzungen für Ihre Arbeit (Enablement) schätzen Sie sogar so gut ein wie noch nie. Auch weitere Indikatoren zeigen steil nach oben, etwa Ihre Unterstützung für unsere Strategie und Ihre Zufriedenheit mit Ihrer Führungskraft.

Das ist für uns im Vorstand und im Konzernleitungskomitee ein enormer Ansporn. Wir wissen, dass Ihr positiverer Blick auf unser aller Arbeit und unsere Bank eine der wichtigsten Voraussetzungen für unseren Erfolg ist.

In den ersten vier Quartalen unserer Transformation haben wir einen neuen Kurs eingeschlagen und diesen vorbildlich gehalten – und das auch, als wir es mit einzigartigen Herausforderungen für unser aller Privat- und Berufsleben zu tun hatten. Das gesamte zweite Quartal war überschattet von der Corona-Pandemie, und wir sind Ihnen dankbar, wie entschlossen Sie reagiert und sich auf diese nie dagewesene Situation eingestellt haben. Herzlichen Dank für Ihren enormen Einsatz.

Nun bleibt mir noch, Ihnen eine schöne Auszeit und gute Erholung zu wünschen, wenn Sie Ihren wohlverdienten Urlaub antreten. Und all jenen, die nun zurückkommen, wünsche ich einen guten Start. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen an unser erfolgreiches erstes Halbjahr anzuknüpfen.

Herzliche Grüße
Ihr Christian Sewing

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